Full text: Volume (Bd. 2 (1830))

das uneheliche Kind bei sich zu ernähren. 259
hinsichtlich der Alimentation überall keinen Anspruch hatte.
Allein da nun einmal noch viele Praktiker') ein solches
anerkennen; so entsteht, jedoch nur unter dieser Vor-
aussetzung, die nicht selten vorkommende und einflußrei-
che Frage: Kann der Stuprator auch nach Abschluß eines
solchen Vergleiches, wodurch er eine bestimmte Summe jahr-
lich baar zu bezahlen versprochen hat, sich noch des angeb-
lichen Wahlrechtes bedienen?
Auf den ersten Anblick möchte nun diese Frage aller-
dings zu bejahen seyn, weil, wie gewöhnlich gelehrt wird,
«in Vergleich strenge ausgelegt werden müsse, woraus denn
folge, daß, da er in dem Vergleiche nicht ausdrücklich auf die
eigne Alimentation des Kindes Verzicht geleistet habe, und
die Vermuthung gegen jeden Verzicht eines Rechtes strei-
te, ihm auch jetzt noch die Berechtigung zustehe, das Kind
zu sich zu nehmen.
Bei genauerer Betrachtung indessen zeigt sich bald,
daß vorstehende Sätze nicht als Entscheidungsgründe für die-
se Sache angesehen werden können. Denn es ist freilich ein
Gemeinspruch: Ein Vergleich müsse stricte intcrpretirt
werden 3)! Allein die Vertheidiger desselben verbinden da-
mit meistens entweder gar keinen gehörigen oder doch einen
sehr verkehrten Sinn,
i) S. oben Rot. 58-
il) Abgesehen von so vielen ältern Rechtslehrern, will ich hiev
NNr aus Wissenb ach, Exerc, ad Fand,, P, I, Disp, 10»
Thes. 19* S chilter ^Praxis Jur, Rom, Exerc, IX» fiu. Co~
roll# 6* Schaum b-urg, Cornp* Digestor,, D. II, Tit. 15,
§, 11. Claproth; Jur. Heurcmat,, Th. I, §. 127, N 0 t. a*
Hufelanh's CivilRecht, B- l. §- 639. No.t.2. verweisen.
Uebrigens beruft sich jeder von ihnen auf ganz verschiedene
stellen des Zustinianeische« Rechts.

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