Full text: Themis <Göttingen> (Bd. 1 (1828))

340 XIV. Elvers, Mittheismigen
nothwendigen wissenschaftlichen Haltpunkt verliehrt,
und sich nur zu oft genöthigt sieht, -sich willenlos ■
allen noch so einseitigen und ephemeren theoretischen
Speculationen des Tages in die Arme zu werfen.
Es ist daher für unsere Praxis selbst höchst wün-
schenswerth, daß recht viele Juristen sich entschließen,
ihre praktischen Erfahrungen in gedrängter Kürze
mitzuthcilen, so daß wir in diesen Mitlheilungen ein
immer vollständigeres Bild unserer Praxis erhalten,
in welchem wir sowohl die streitig gewordenen Rechts-
verhältnisse selbst, wie auch ihre richterliche Erledi-
gung und Feststellung wahrnehmen. — Wie viel
dadurch aber auch die Theorie gewinnen muß, wird
jeder einsehen, der aus eigner Erfahrung weiß, wie
oft das praktische Leben zu theoretischen Fragen und.
Bemerkungen führt, die wir in unfern Lehr- und
Handbüchern vergeblich suchen, und wie laut somit
die Praxis die Nothwendigkeit predigt, in unfern.
Theorien überall auf ein genügendes Priyci'p, eine
keitende Rat,io jnris hinzuarbciten, und durch wissen-
schaftliche Auffassung und Würdigung aller wichtigen
Vorgänge des praktischen Lebens, gleich den großen
.Römischen Juristen, diese Ilatio zu einet vollständi-
gen und praktisch brauchbaren Theorie auszubilden.—
Dadurch, daß , wir dieses versäumt haben, sind wir
Sclaveir des Römischen^ Rechts geworden, die in den.
Pandekten und dem Codex nichts als ein tyrannisches
Gesetz zu erblicken im Stande sind, statt daß wir,
im Geiste der Römischen Juristen handelnd, freie
Genossen ihrer juristischen Herrlichkeit geworden wa-.
ren, die mit Dank und Verehrung die Schatze, ihrer

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer