Full text: Volume (Bd. 1 (1828))

der Lehre vorn Nothwcge. 109
das ganze Princip des Nothweges abzulciten, erscheint
allerdings zu gewagt. Bezieht sich auch, wie Glück
geltend zu machen sucht, die 1. 12 auf ein kaiserli-
ches Rescript, und enthält dieses auch oft nur eine
Anwendung einer allgemeinen Regel auf einen einzel-
nen Fall; so enthält dieses allein doch noch keinen
Beweis, daß wirklich eine solche allgemeine Regel
bestand. Dagegen ist es aber eben so wenig entschie-
den, daß jene Stelle eine singuläre Bestimmung zu
Gunsten der Kos religiosae enthalte z was um so
unwahrscheinlicher ist, da weder die Worte des kai-
serlichen Rescripts, noch des Juristen dieses auch nur
entfernt andeuten. Es wird aber "diese Stelle von
großer Bedeutung, wenn aus anderweitigen allgemei-
nen und besondern Gründen das Daseyn der Lehre
vom Nothwcge im Römischem Rechte nachgewiescn
worden ist, und sie im Lichte dieser Lehre betrachtet
wird. — Die ältere Praxis hat aber aus dieserLex:
Si quis sepulchrum noch manche besondere Grund-
sätze gbzuleiten und geltend zu machen gesucht. Da-
hin gehört zunächst und vor allen der Grundsatz, daß
wenn der Bau einer Kirche oder eines Klosters in
Frage steht, jeder Hausbesitzer zum Verkaufe seines
Hauses und Grundstückes genöthigt werden könne;
woran man auch das ähnliche Recht des Landesherrn
ersten ohne dies seine eigne Sache unnütz wird." Meh-
rere der neuesten Pandektisten sind dieser Ansicht so sehr
beigetrcten, daß sie des Nothweges nicht einmal der Er-
wähnung würdigen. S. z. 58. von Wening Jugen-
heim, B. 2, §. 228; Warnkönig, Commentarii
jur. Rom. priy. T, 1, §. 315, u. g.

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