Full text: Volume (Bd. 1 (1828))

99

der Lehre vom Nothwege. -
als wenn diese Bestimmung nur auf die Via ad se-
- pulchrum ginge. Allein es ist schon oben bemerkt
worden, daß jede Stelle nicht vereinzelt, sondern nur
in Verbindung mir der erkannten leitenden Ratio
juris gewürdigt werden darf. Ist'dieses auch hier
zu behaupten, so erscheint in jenen Worten nur eine
besondere Anwendung von der bei Nothwegen allge-
mein eintretenden Art und Weise der Rechtsvcrfol-
gung. Indem nämlich die Pflicht, dem Nachbarn
einen Nothwcg einzuräumen, weder auf einem be-
stimmten Ausspruche des Jus civile, noch des Jus
praetorium beruhte, sondern lediglich auf der als
ein Selbstverständniß betrachteten Ratio naturalis;
so konnte im einzelnen Falle weder von einer Actio
civilis, noch von einer Actio praetoria, sondern
nur von einer ausserordentlichen Anrufung der richter-
lichen Hülse die Rede seyn. Dieses mußte vom Ju-
risten bei Gelegenheit der Via ad sepulchrum vor-
zugsweise angemerkt werden; da hier das erlassene
kaiserliche Rescript leicht zu dem Gedanken führen
konnte,- als wenn grade deshalb hier eine Actio ci-
vilis eintreten müßte. Da der Jurist aber diese, un-
geachtet des Rescripts, selbst hier in Abrede stellt; so
gilt dies natürlich noch weit mehr von den übrigen
Füllen des Nothweges, von denen ihres natürlichen
Selbstverständnisses wegen auch nicht einmal Rescripte
redeten. Jedoch ist sowohl nach der leitenden Ratio
juris, wie nach den Worten des Juristen anzuneh-
men, daß eine solche Imploratio officii judicis nur
alsdann gestattet ward, wenn der Weg gütlicher Ver-
handlungen vergebens gepflogen war.' Denn nur in

7*

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer