Full text: Volume (Bd. 8 (1898))

70 Marcus, Die Testamentsvollstreckung nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch.
artige Anordnung kommt, wie die Denkschrift zum dritten Entwurf zutreffend
bemerkt,") der Anordnung einer Nacherbschaft sehr nahe. Deshalb ist sie
nach Z 2210 an eine zeitliche Grenze von 30 Jahren gebunden, deren Beseitigung
jedoch dem Erblasser gestattet ist, wenn nur nicht eine juristische Person als Erbe
interessirt. In diesem Falle kann die dreißigjährige Frist nicht erstreckt werden,
da sonst dem Erblasser die Möglichkeit gegeben wäre, unter Umgehung der gel-
tenden Vorschriften eine Stiftung oder ein Familien-Fideicommiß zu begründen.
3. Ein Testamentsvollstrecker kann ferner nach 8 2223 zu dem Zwecke er-
nannt sein, für die Ausführung der. einem Vermächtnißnehmer auferlegten Be-
schwerungen zu sorgen. Hier liegt dem Testamentsvollstrecker die Kontrole ob, daß
den Vorschriften des Testators und event. des Gesetze« in den §§ 2147 flg. Ge-
nüge geschehe. Die Pflichten eines solchen Vollstreckers unterscheiden sich also
wesentlich von denen des exsoutvr generali«. Die Vorschriften bezüglich des letz-
teren sind daher auf ersteren nur sehr beschrankt anzuwenden (Motive zum I. Ent-
wurf Seite 246). , .
4. Einen wichtigen Sonderfall einer Vollstreckerernennung zu bestimmtem
Zwecke regelt letztlich § 2222 dahin, daß der Ernannte bis zum Eintritt einer
bestimmten Nacherbfolge die Rechte des Nacherben ausübt und dessen Pflichten er-
füllt 8 2120, 8 2127 flg. Eine solche Berufung kommt besonders bei der Ent-
erbung aus guter Absicht 8 2338 Abs. 1 Satz 2 in Betracht. Die Aufgaben
des Testamentsvollstreckers finden, abgesehen von Bestimmungen des Testators,
in den Vorschriften über Einsetzung eines Nacherben 8 2100 bis 2146 ihre Grund-
lage. Die Erweiterung des Institutes der Nacherbfolge im Bürgerl. Gesetzbuch ge-
genüber den geltenden Rechten, besonders in den Fallen 88 2104 und 2105 wer-
den die Ernennung eines Testamentsvollstreckers in Gemäßheit des 8 2222 häufig
rechtfertigen. Die Rechtsstellung des Nacherben gegenüber dem Vorerbcn, wie
solche in den 88 2111, 2112, 2120, 2124 bis 2126, 2131 geregelt ist, giebt
den Fingerzeig für die Kontroüpflicht des Testamentsvollstreckers in dieser Stellung.
Er hat also im Interesse des Nacherben daraus zu halten, daß der: Vorerbe das
Vermögensverzeichniß ertheile, die Kapitalien dem Gesetze entsprechend anlege und die
Jnhaberpapiere wieein Vormundhinterlege, 882121, 2119, 2116 bis 2118. Der
Testamentsvollstrecker ist dann ferner legitimirt, die Ungültigkeit von Verfügungen
des Vorerben nach 8 2113 zu rügen, bei Kündigung und Einkassirung einge-
tragener Forderungen mitzuwirken, 8 2114, und in den gesetzlich zulässigen Fällen
Sicherheit zu fordern. Ein näheres Eingehen auf diese Fragen ist jedoch nicht am
Platze und bleibt einer besonderen Untersuchung Vorbehalten. Bemerkt mag nur
werden, daß bei der Vollziehung deS Ueberganges des Vermögens von den Vor-
erben auf den Nacherben nach 8 2139 der Testamentsvollstrecker nicht milwirkt,
denn dieser Uebergang vollzieht sich ipso Mrs. -

") Vergl. Denkschrift, Heymann'sche Ausgabe, S. 420; Sturm, a. a. O. S. 76/77.

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