Full text: Volume (Bd. 8 (1898))

526 Kretzschmar, Studien zu dem Reichsgcsetze über die Zwangsversteigerung
sicherer (§ 1127). In gleicher Weise tritt, wenn das Grundstück verpachtet oder
vermiethet ist, an Stelle der Nutzungen die Pacht- oder Miethzinsforderung § 1123.
Durch das Aufhaften von Hypotheken wird der Grundstückseigenthümer
nicht verhindert, das Grundstück in den Grenzen einer ordnungsmäßigen Wirth-
schaft auszunutzen. Innerhalb dieses Rahmens darf er das Grundstück nach
seinem Belieben gebrauchen, die Erzeugnisse ziehen und über sie sowie über das
Zubehör verfügen. Durch die endgültige Entfernung von dem Grundstücke werden
solche Gegenstände ihrer Zugehörigkeit zu dem Grundstücke entkleidet und so der
Haftung für die Hypothek entzogen. Das gilt, solange die Beschlagnahme nicht
erfolgt ist, auch für den Fall, daß dabei die Grenzen einer ordnungsmäßigen Wirth-
schaft vom Grundstückseigenthümer nicht eingehalten wurden.
Die Zwangsvollstreckung in ein Grundstück kann dementsprechend nur die-
jenigen Bestandtheile, Erzeugnisse und Zubehörungen ergreifen, die noch auf dem
Grundstücke vorhanden sind. Zm Uebrigen sind die Wirkungen der Beschlagnahme
verschieden, je nachdem die Zwangsversteigerung oder die Zwangsverwaltung an-
geordnet wird. Es hat dies seinen Grund darin, daß die Befriedigung des Gläu-
bigers bei der Zwangsversteigerung durch Veräußerung des Grundstücks, bei der
Zwangsverwaltung dagegen durch Erhebung der Einkünfte des Grundstücks er-
strebt wird. Ist nur die Zwangsversteigerung augeordnet, so umfaßt die Be-
schlagnahme, eben weil der Gläubiger seine Befriedigung lediglich durch Veräuße-
rung des Grundstücks sucht, die Mieth- und Pachtzinsforderungen sowie die An-
sprüche aus einem mit dem Grundstücke verbundenen Rechte auf wiederkehrende
Leistungen überhaupt nicht, die vom Boden getrennten land- und forstwirthschaft-
lichen Erzeugnisse des Grundstücks aber nur, soweit selbige, als zur Fortführung
der Wirthschaft erforderlich, nach § 98 Z. 2 des Reichs-G.B.'s, Zubehör des
Grundstücks sind § 21. Auch behält der Schuldner, so lange nicht auf Antrag
des Gläubigers entgegenstehende Maßregeln angeordnet sind, die Befugniß zur
Verwaltung und Benutzung des Grundstücks innerhalb der Grenzen einer ord-
nungsmäßigen Wirthschaft, so daß er die reifenden Früchte ernten und über sic
sowie über einzelne Gegenstände des Inventars innerhalb der ihm gezogenen
Grenzen auch dem Gläubiger gegenüber wirksam verfügen kann (88 23—25).
Anders ist es, wenn die Zwangsverwaltung, entweder allein oder in Ver-
bindung mit der Zwangsversteigerung, angeordnet wird. Vor Allem wird in
diesem Falle die Verwaltung und Benutzung des Grundstücks dem Schuldner
durch die Beschlagnahme entzogen und einem vom Gericht zu bestellenden Ver-
walter übertragen, der Schuldner hat nur noch einen Anspruch auf Belastung der
für fciitm Hausstand unentbehrlichen Räume. Gefährdet er oder ein Mitglied
seines Hausstands das Grundstück oder die Verwaltung, so kann er sogar voll-
ständig entfernt werden. Auch umfaßt die Beschlagnahme solchenfalls die fämmt-
lichen für die Hypothek haftenden Gegenstände, also die gesammten vorhandenen
land- und forstwirthschaftlichcn Erzeugnisse des Grundstücks, sowie die Pacht-

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