Full text: Sächsisches Archiv für bürgerliches Recht und Prozeß (Bd. 8 (1898))

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Literatur.

PrSclusivfrist, also gegebenen Falls von Amtswegen zu beachten), sowie im Falle eines rechts-
kräftigen Urtheils im Sinne des § 864 Abs. 2 (Auslegung der Worte des Abs. 2 „Recht an
der Sache" f. S. 120).
2) Der Anspruch auf Wiedereinräumung des Besitzes (§ 861) steht dem gewesenen
unmittelbaren Besitzer zu, der seines Besitzes durch verbotene Eigenmacht entsetzt worden ist,
gegen den ihm . gegenüber fehlerhaften Besitzer, und, wenn neben dem entsetzten unmittelbaren
Besitzer noch ein mittelbarer Besitzer vorhanden war, auch diesem; er kann aber nie vom
mittelbaren Besitz er als solchem gegen den unmittelbaren Besitzer erhoben werden (also nicht
z. B. vom Verpächter gegen den nach Ablauf der Pachtzeit grundlos die Herausgabe des
Pachtgrundstücks verweigernden Pächter). Fehlerhafter Besitzer im Sinne des 8 861 ist nicht
bloß, wie nach dem Wortlaute des 8 658 Abs. 2 angenommen werden könnte, derjenige, der
den Besitz durch verbotene Eigenmacht erlangt hat, sondern auch der Erbe eines fehlerhaften
Besitzers und der sonstige Nachfolger eines solchen, wenn er die Fehlerhaftigkeit des Besitzes
seines Vormanns bei dem Erwerbe gekannt hat. (Praktische Konsequenzen hiervon s. S. 124.)
Der Anspruch auf Wiedereinräum ung kann nicht nur gegen den fehlerhaften unmittelbaren
sondern auch gegen den mittelbaren Besitzer erhoben werden (S. 126 sig.) und geht nur auf
Wiedereinräumung des Besitzes. Die schwer verständliche Vorschrift des § 861 Abs. 2 wird
an zahlreichen Beispielen praktisch erläutert (S. 129—133); sie ist nicht als eigentliche Ein-
rede, sondern als eine das Klagerecht ohne weiteres ausschließende Thatsache anzusehen.
3) Der Anspruch auf Beseitigung der Störung (8 862) setzt eine Beeinträchtigung
des Besitzes voraus, die zur Entziehung desselben nicht geführt hat — d. h. es muß durch
den Eingriff ein Zustand geschaffen sein, durch dessen Fortbestand der Besitz dauernd als
beeinträchtigt erscheint— sowie weiter, daß diese Störung durch verbotene Eigenmacht er-
folgt ist; er steht zunächst dem unmittelbaren Besitzer, sofern aber neben diesem noch ein
mittelbarer Besitzer vorhanden ist, auch diesem zu. Der mittelbare Besitzer kann gegen den
unmittelbaren Besitzer als solchen die Klage nie erheben. (Wegen der, der Vorschrift des
8 661 Abs. 1 entsprechenden Bestimmung in 8 662 Abs. 2 vgl. die Beispiele S. 136, 137.)
Das lebendig und frisch geschriebene Buch, dessen Werth dadurch nicht beeinträchtigt
wird, daß gewisse Partien z. B. der wichtige Abschnitt von den Besitzklagen, nur im All-
gemeinen behandelt sind, während sich über den Besitzerwerb durch Stellvertreter nur einzelne
Bemerkungen vorfinden, wird Jedem, der sich über die schwierige Lehre näher unterrichten
will, -um Studium angelegentlichst empfohlen. Die Grundzüge des Gesetzbuchs, seine Ver-
schiedenheiten vom bisherigen Recht, sind klar und scharf entwickelt; die vorgetragenen Sätze
werden an zahlreichen Beispielen erläutert, die nicht — wie dies böse Zungen bei früheren
Arbeiten des Verfassers haben behaupten wollen — künstlich nur erdacht, sondern so gewählt
sind, wie sie im praktischen Leben Vorkommen. Die Schrift ist zur Erinnerung an den
100jährigen Geburtstag Karl Georg von Wächter's (24. Dezember 1897) erschienen. Wie
eine jede Arbeit Wächter's den streng wissenschaftlichen Gehalt mit praktischer Brauchbarkeit
verbindet, so ist auch das vorliegende Buch für die Theorie in gleichem Maße förderlich wie
für den Praktiker nutzbar. Möchten bald ähnliche Bearbeitungen wichtiger Lehren des Ge-
setzbuchs Nachfolgen! O.L.G.Rath v. Sommerlatt.

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