Full text: Volume (4 (1914))

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Georg Schreiber,

damals, für den Ausgang des 12. Jahrhunderts im all-
gemeinen noch zu. Hat doch sogar noch Jakob von Vitry
(f 1240) der Askese der grauen Mönche Worte höchsten
Lobes gezollt.1) Aber jenes Kompliment bedeutete für
den kirchenpolitisch stark festgehaltenen Papst, der zu
den einflußreichen Zisterziensern enge Beziehungen unter-
hielt, keineswegs bloß eine Kanzleifloskel. In der narratio
setzte dann Lucius des näheren auseinander, die grauen
Mönche hätten gewiß von Anfang an auf Unterordnung
unter die Bischöfe gehalten. Freilich sei letztere so ver-
standen, daß dabei die Wesenseigentümlichkeiten des
Ordens nicht angetastet werden dürften. Gleichwohl sei
den Zisterziensern vom apostolischen Stuhl die besondere
Vergünstigung eingeräumt („illud tamen hactenus de favore
et protectione apostolice sedis obtinuit"), niemand solle
über die Äbte, Klöster und Klosterinsassen Zensuren ver-
hängen dürfen, also weder die Exkommunikation, noch
die Suspension noch das Interdikt. Trotz allem hätten
einige Prälaten, die sich über diese früher aufgerichteten
Schranken hinwegsetzten, den Orden mit Kirchenstrafen
aeterni conditoris providentia restauravit, illam semper invenit in apo-
stolica sede clementiam, qua et vobis in Domino accresceret propositum
virtutis et aliorum devotio vestris provocaretur exemplis, ut per coe-
lestium semitam mandatorum ad propositum feliciter bravium festi-
naret." Privileges, p. 28. Ich stelle ausdrücklich fest, daß diese Arenga
— soviel ich wenigstens Jaffe-Loewenfeld II, p. 799 entnehmen
kann — den Zisterzienserurkunden Vorbehalten blieb. Vgl. Jaffe-
Loewenfeld nr. 15 332. 15 731. 15 800. Zur Beurteilung der in den
Klosterprivilegien gebrachten Arengen siehe übrigens Schreiber,
Kurie 11,391 im Register, aber auch Otto Lerche, Die Privilegierung
der deutschen Kirche durch Papsturkunden bis auf Gregor VII., Arch.
f. Urkundenforschung III (1911), S. 130 ff.
x) Kirchenlexikon 2 III, Sp. 376. Freilich hatte der Verfasser der
historia orientalis et occidentalis überhaupt eine Vorliebe für klöster-
liches Wesen. Vgl. Philipp Funk, Jakob von Vitry, Leben und Werke
(Beiträge zur Kulturgeschichte des Mittelalters und der Renaissance,
herausg. von Walter Goetz, H. 8), Leipzig 1909, 8. 140. — Darüber,
daß sich allmählich aber Wandlungen anbahnten, vgl. H. d’Arbois
de Jubainville, Etudes sur Fetat Interieur des abbaves cisterciennes,
Paris 1858, 298 ss. und passim; A. Luchaire, La societe fran^aise
au temps de Philippe - Auguste, Paris 1909, p. 218; Schreiber, Kurie I,
8. 266 f.

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