Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (4 (1914))

Pseudoisidor und die Le Mans - Hypothese.

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Taten des Bischofs würdig schildern zu können1); während
ferner auch im Codex die Überschrift lautet: Gesta domni
Aldrici Cenomannicae urbis episcopi a discipulis suis2), hält
Havet, dem Dümmler3) und E. Lesne4) folgen, Aldrich
selbst für den Verfasser. Er stützt sich dabei auch auf die
Vorrede, welche in der Handschrift auf die Carmina folgt
und daraus erst in der Ausgabe von Charles und Froger5),
in stark entstelltem Wortlaut6) veröffentlicht worden ist.
Der Verfasser der Vorrede spricht nämlich von sich in der
ersten Person Singularis7) (scribere conor etc.), woraus
scheinbar hervorgeht, daß die Schrift nur von einem Autor
herrührt. Allein diese angebliche Vorrede kann nicht zu
den Gesta Aldrici gehören, da sie zu ihrem Inhalt schlechter-
dings nicht paßt. Das ist schon in der Histoire litteraire
de la France8) erkannt, und die früheren Editoren, Waitz
sowie Baluze (dem dies Pseudo-Vorwort wahrscheinlich
ebenfalls bekannt war9)), haben es mit Recht fortgelassen,
Vgl. B. Simson, Die Entstehung der Pseudo - Isidorischen
Fälschungen in Le Mans (Leipzig 1886), 8. 49, 131 f.
2) 8. Charles und Froger p. 5.
3) 8. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen im Mittel-
alter I, 7. von E. Dümmler umgearbeitete Aufl., 8. 334 N. 2: „Die
Gesta Aldrici (bis c. 44) sind eine um 840 geschriebene Selbstbiogr.“
4) La hierarchie Episcopale . . . en Gaule et Germanie (Lille.
Paris 1905), p. 85.
5) Gesta domni Aldrici (Mamers 1889), p. 1—4 (Incipit prefatio
Gestae domni Aldrici Cenomannicae urbis episcopi); vgl. p. XXII.
XXIII-XXIV.
6) So ist p. 2 consilia (nicht concilia), ferner A parvis etenim ad
maxima pertingitur (nicht Apparuisset enim ad maxima pertingitur),
p. 3 antequam duriciem testae dentis firmitas conterat (nicht ante-
quam duricia testis dentis firmatas conterat) zu lesen; p. 4 zu inter-
pungieren: De quo et beatus Gregorius scripsit, qui artem Donati ser-
vare contempsit: 'quia', inquid, 'indignum — Donati' usw.; vgl. Histor.
Zeitschr. Bd. 68 (N. F. 32), 8. 197 N. 1; Havet, Oeuvres I, p. 197
n. 1. Unverständlich sind die Worte (p. 3) ut et de sanguinibus.
7) In der ersten Person des Singulars spricht auch der Verfasser
des oben erwähnten Carm. Cenom. 11, Mon. Germ. Poet. Lat. aev. Ca-
rol. II, 635.
8) V, 146.
®) Charles und Froger p. XXIII—XXIV halten für möglich,
daß die praefatio Baluze, der eine Abschrift (une copie dEfectueuse)
benutzte, nicht mitgeteilt worden sei („II laissa de cotE la prEface, soit
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