Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (4 (1914))

Pseudoisidor und die Le Mans-Hypothese.

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Hintersassen gegen ihre Herrschaft, durch die öffentliche
Gewalt selbst. Eine einseitige Erhöhung wurde von der
öffentlichen Gewalt selbst nicht geduldet.“ . . . „Ins-
besondere sollten die Leistungen der Aldionen, der Fisca-
linen und der anderen hörigen Colonen nicht einseitig
vermehrt oder erhöht werden . . . Und wenn dieses den-
noch geschehen war, so pflegte sodann die öffentliche Ge-
walt einzuschreiten und jene Leistungen von Amts wegen
zu fixiren.“
Diese Annahmen gründen sich jedoch, soviel ich sehe,
hauptsächlich nur auf das in Rede stehende Kapitular.
Roth1) verweist zwar auch auf ein paar andere Kapi-
tularien, die er nach Pertz zitiert: C. 817. 13. 216 und
C. 835. 6. 371; ebenso Maurer.2) Aber das sind keine wirk-
lichen Kapitularien, sondern eine Stelle aus der Lex Baiu-
wariorum (tit. I. c. 13) und eine Glosse zu einem Gesetz
des Langobardenkönigs Grimoald, die nur besagt: Pre-
cipimus ut nova conditio aldioni a domino non imponatur.3)
Außerdem führt Maurer noch eine Urkunde Kaiser Lud-
wigs II. (vom J. 852) an. Sie enthält ein Hofgerichts-
urteil, worin der Kaiser auf Klage der Hintersassen des
Klosters Nonantola in Lizzano, Gabba und anderen Orten
über viele neue, schwere Auflagen (superimposiciones),
welche die Abtei von ihnen forderte, entscheidet, daß von
ihnen nur die Leistungen verlangt werden dürfen, zu denen
sie schon zur Zeit des Langobardenreiches und Karls des
Großen verpflichtet waren.4 5) Das entspricht ungefähr
dem erwähnten Satze des langobardischen Rechts, aber
nicht einer gesetzlichen Regelung dieser Frondienste im
fränkischen Reiche für einen bestimmten Gau.
Dahn1) sagt, auf Grund unseres Kapitulars: Die
„Gleichstellung“ (der servi und coloni ecclesiastici mit
den servi und coloni fiscalini) „geht so auffallend weit,
daß Karl für sie auf ihre Beschwerde hin wie für seine

x) A. a. O. 8. 377 N. 46. 2) A. a. O. 8. 507 N. 41. 43.
3) 8. Capitularia reg. Franeor. I, 286. 336 n. b.
4) Mühlbacher, Regest. 2. Aufl. nr. 1189; Tiraboschi, Storia
della badia di Nonantola II, 53 nr. 37.
5) Die Könige der Germanen VIII, 2, 8. 228. 231.

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