Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (4 (1914))

Pseudoisidor und die Le Mans - Hypothese.

61

vielleicht auch aus bewußter Absicht erklären. Die falsche
Dekretale selbst sucht ja den Sachverhalt zu verschleiern;
warum sollte er in den Gesta dargelegt sein ? Die Anklage
mußte sich doch auf eine angebliche Verschuldung Ald-
richs gründen ; konnte es nicht in seinem Interesse an-
gezeigt erscheinen, sie zu unterdrücken?
Lurz hält für wahrscheinlicher, daß die Dekretale im
Jahr 850 verfaßt sei, indem er sie, ähnlich wie Fournier1),
mit den damaligen Taten des Herzogs Nomenoi von Bre-
tagne in Zusammenhang bringt. Indessen ist diese Ver-
mutung, der sich auch Seckel anschließt, zwar scharf-
sinnig, aber unerweislich. Nur das dürfte fraglich erscheinen,
ob der Fälscher keck genug gewesen sein sollte, die De-
kretale dem Papst Gregor IV., der im Januar 844 starb,
noch bei dessen Lebzeiten unterzuschieben.2)
Minder wichtig als die Frage, wann die falsche De-
kretale verfaßt ist, aber auch nicht belanglos ist die weitere,
wann sie in die Actus pont. Gen. inseriert wurde. Was-
serschieben3) hält es für sehr wahrscheinlich, daß der
Brief erst nach Aldrichs Tode dem über diesen handelnden
Abschnitt hinzugefügt sei. Weiter gehen Havet4) und
nach ihm Lurz5), Seckel6) und Bussen?), indem sie
behaupten, die Dekretale stehe nicht mehr im ersten Teil
der Actus, sondern wie Seckel sich ausdrückt, ,,an der
Spitze des zweiten Teils“, der erst im 12. Jahrhundert
verfaßt ist. Prüfen wir auch hier ihre Gründe.
Zunächst wird geltend gemacht, der erste Teil der
Actus schließe deutlich und formell mit den Worten ab,
die der Dekretale vorangehen: 'Defendat eam (sc. eccle-
siam Cenomannicam) Dominus omnipotens ab omnibus
*) Vgl. Revue d’hist. ecel. VII, 781; Fournier setzt die Ab-
fassung der falschen Dekretale zwischen 845 und 850.
2) Die falsche Dekretale Gregors IV. über die Restitution Ebos
ist nach der Ansicht Hampes (Neues Archiv XXIII, 180f.; M. G.
Epist. V, 81 n. 7) schon um 845 verfaßt. Lurz (Nachtrag) bezweifelt
dies. Fournier (Revue d’hist. eccl. VIII, 560—561) vermutet sogar,
daß dies Schriftstück erst gegen 867 verfaßt sei.
3) Histor. Zeitschr. LXIV (N. F. 28), 247f.
4) A. a. O. 8. 326-327. °) A. a. 0. S. 35.
«) A. a. O. 8. 278. 7) Vgl. a. a. O. 8. 377 N. 2.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer