Full text: Volume (4 (1914))

Literatur.

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er will die Gründe dieser Wegzüge an der Hand der Quellen und der
Literatur zur Geschichte von insgesamt 33 Bischofsstädten des bayrischen,
des schwäbisch-alemannischen, des fränkischen, des französischen
Gebietes und in Sachsen wie auch Friesland aufdecken, um auf solche
Weise den Wandel der Beziehungen zwischen Bischof und Bischofsstadt
kennen zu lehren. Seine Ergebnisse aber faßt er dahin zusammen, „daß
alle geistlichen Fürsten zeitweise oder beständig ihre Bischofsstadt
verlassen haben* Abgesehen vom Bischof von Freising wurden alle
in der Mehrzahl der Fälle durch aufständische Bewegungen innerhalb
der Bürgerschaft dazu veranlaßt. Diese Empörungen fanden im Gebiet
des bayrischen Stammes am spätesten statt und waren am wenigsten
nachhaltig, da die Bischöfe dort ausnahmslos ihren Wohnsitz in die
alte Residenz zurückverlegten. Im Gebiet des sächsischen Stammes
kehrte kein geistlicher Fürst in seine Bischofsstadt zurück; alle nahmen
ihren Wohnsitz dauernd außerhalb. Von den Städten, die auf Königs-
boden entstanden sind, gelangten fast alle zur Anerkennung ihrer Reichs-
standschaft. Sie hatten die schwersten Kämpfe mit ihren Bischöfen
durchzufechten, die mit wenigen Ausnahmen dauernd ihrer alten Residenz
den Rücken kehren mußten" (S. 272). Die Erscheinungen, denen D.
sein Augenmerk zugekehrt hat, waren keineswegs unbekannt (vgl.
meine Geschichte der Kirchenverfassung Deutschlands im Mittelalter I,
S. 218 und Meisters Grundriß der Geschichtswissenschaft2II, 6 S. 74),
doch soll deshalb nicht der Fleiß des Verfassers als minder lobenswert
bezeichnet werden: er setzte ihn in den Stand, das weitschichtige
Material geschickt zu verwerten, so daß der Leser die unvermeidliche,
weil in der stets gleichbleibenden Fragestellung beruhende Gleich-
förmigkeit eines jeden Abschnittes mit einiger Geduld erträgt. Anderer-
seits erweckt es Bedenken, wenn fast durchgängig die Zahl der bischöf-
lichen Urkunden, die als Ausstellungsort den Bischofssitz oder einen
anderen Platz namhaft machen, als Kriterium dafür angezogen wird,
ob der Bischof länger oder kürzer an diesem oder jenem Orte verweilte.
Es kommt doch nicht darauf an, wie oft ein Bischof in einer Stadt,
sondern wie lange er in ihr sich auf hielt; er kann bei kurzem Verweilen
mehr Urkunden haben ausstellen lassen als bei lange dauerndem; die
Zeiträume der Aufenthalte an jedem Platze waren zu messen, unter-
einander und mit der Regierungsdauer des einzelnen Bischofs zu ver-
gleichen (vgl. z. B. S. 52f. über die Aufenthaltsorte des Bischofs
Eberhard II. von Konstanz 1248—1274). Wir wollen weiterhin auch
darauf kein entscheidendes Gewicht legen, daß D. keineswegs überall
zu abschließenden Resultaten gelangen konnte, weil die Veröffentlichung
sei es erzählender sei es urkundlicher Quellen noch nicht allenthalben
weit genug gefördert ist. Jedenfalls aber geht es nicht an, daß auf
S. 56 im wesentlichen nur die im „Geschichtsfreund der fünf Orte"
abgedruckten Auszüge von Urkunden Konstanzer Bischöfe aus den
Jahren 1333—1500 verwertet sind, als stellten diese Dokumente nicht
einen ganz geringen Bruchteil von Konstanzer Bischofsurkunden jenes
Zeitraums dar, als läge nicht seit Ausgang 1912 K. Rieders Fortsetzung

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