Full text: Volume (4 (1914))

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Literatur.

mit diözesanen Verhältnissen rechnen, und sie hat das lokale Milieu
in der Tat und mit viel kluger Realpolitik berücksichtigt. Und anderer-
seits konnte in der nämlichen Publikation schon nachdrücklich betont
werden, der Inhalt des päpstlichen Privilegs wurde stark durch die
Rechtsstellung des Urkundenempfängers und durch die ganze indi-
viduelle Eigenart der jeweiligen Anstalt bestimmt.1)
Es ist nun Brackmanns Verdienst, daß er solche retardierenden
Momente für den Sonderbereich des Salzburger Metropolitanbezirkes
beobachtet und einläßlich herausgestellt hat. Denn dieser Autor versucht
den gewiß bemerkenswerten — freilich um es hier schon zu sagen nicht
in allen Punkten gelungenen — Nachweis, der Inhalt des päpstlichen
Formulars wurde durch die besondere Rechtslage des einzelnen Stiftes
bedingt. Nach Brack mann ergibt sich dieses Resultat,'wenn man
die Hausgeschichte des jeweiligen Zönobiums und die Haltung des Landes-
episkopats näher ins Auge faßt. Die ersten Anfänge der päpstlichen
Privilegierung für das Salzburgische waren nun sowohl dem Inhalt
als auch der Häufigkeit der Fälle nach unbedeutend. Das läßt sich
wenigstens für die Zeit vor dem Investiturstreit sagen. Eine lehrreiche
Feststellung, wenn man den vom Autor nicht angestellten Vergleich
zu dem ganz anders gearteten romanischen Westen zieht. Aber
um die Wende des 11. Jahrhunderts machte sich — ich nehme hier
Brackmanns Gedankengang wieder auf — der Einfluß der schwäbi-
schen Reformbewegung in der Privilegierung geltend. Der Hirsauer
Klostertyp sah es damals einmal auf die Übereignung der Abtei an
die Kurie und dann auf die Lockerung der Beziehungen zum Ordinarius
ab. Diesen Reformklöstern wurden demgemäß zahlreiche und dabei
inhaltreiche Privilegien (Rottenbucher Formular 8. 14ff.) verliehen.
Doch wahrte das Papsttum in seinen Diplomen eine vorsichtige For-
mulierung, soweit das Verhältnis zum Bischof in Frage kam. Im 12. Jahr-
hundert drückten bedeutende Reformerpersönlichkeiten (Konrad I. von
Salzburg [1106—1147], Otto I. von Bamberg [1102—1139] und andere)
dem monastischen Leben der Provinz ihr Gepräge auf. Aber die näm-
lichen Reformer bestimmten nicht weniger die Geschichte des päpst-
lichen Privilegs und das durch ihre ganze Haltung, die sie den refor-
mierten Zönobien gegenüber einnahmen. Hierin wichen sie freilich
stratensern (I, 8. 107). Siehe auch oben 8. 106, Anm. 1. — An dieser Stelle
sei eine Bemerkung zu der gewiß recht verdienstlichen Neuauflage von J. B.
Sägmüllers Kirchenrecht3, 2 Bde., Freiburg 1914, eingeschaltet. Noch
völlig übereinstimmend mit dem Wortlaut zweiter Auflage (S. 256) heißt
es I3, 256, in den Darlegungen zur Geschichte der Exemtion: „Von jetzt
ab (11. Jahrhundert) wurden nicht nur einzelne Klöster, sondern ganze
Orden von der bischöflichen Gewalt teilweise oder ganz eximiert" und in
Anm. 3 wird dazu vermerkt: „Zunächst Clugny und seine Klöster." Es wäre
gewiß wünschenswert, daß Sägmüller auch die Kehrseite der Privilegierung,
also den Mißerfolg des Papsttums in Sachen seiner kluniazensischen Politik,
kurz andeutete.
*) Vgl. Kurie II, 8. 205, 8. 351 Anm. 1 und ebenda zahlreiche andere
Stellen, die im Register II, 8. 417 unter „Gründung" und II, 8. 438 unter
„Päpste" vermerkt sind.

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