Full text: Volume (4 (1914))

11.5. Bikel, H., Die Wirtschaftsverhältnisse des Klosters St. Gallen

512

Literatur.

H. Bikel, Die Wirtschaftsverhältnisse des Klosters St.Gallen
von der Gründung bis zum Ende des XIII. Jahrhunderts.
Mit einem Plan des Klosters St.Gallen. Freiburg im Br.,
Herder 1914. XIV, 351 S.
Eine kurze Anzeige des vorliegenden Buches in der Kanonistischen
Abteilung dieser Zeitschrift wird damit begründet werden können, daß
es eine kirchliche Anstalt und das Werden, die Ordnungen und den
Verfall ihrer Grundherrschaft zum Mittelpunkt einer fleißigen Durch-
arbeitung des reichhaltigen Quellenmaterials an Urkunden, historio-
graphischen Aufzeichnungen usw. gemacht hat. Wesentlich neue Richt-
linien für die Erkenntnis und Klärung kirchenrechtshistorischer Probleme
aufzustellen war nicht die Absicht des Verfassers, wenngleich Seitenblicke
auf sie natürlich nicht fehlen, so z. B. S. 170ff. betr. die wirtschaftlichen
Verwaltungsgeschäfte des Abtes und der von Mönchen bekleideten
Ämter, 8. 228 ff. betr. den freiständischen Charakter der Abtei St. Gallen
und ihre Gotteshausleute, während eine zusammenfassende Würdigung
des klösterlichen Zehntwesens sich leider nicht findet und der Abschnitt
über die Eigen- und Patronatskirchen (S. 120ff.) nicht befriedigt. Im
allgemeinen darf B. als mit der neueren Literatur genügend vertraut
bezeichnet werden, so in den Ausführungen über den Ursprung und
das allmähliche Emporsteigen der Ministerialität (S. 250ff.), doch hätte
er gut daran getan, hier und dort die Darlegungen von A. Dopsch noch
weit stärker auf sich wirken zu lassen: gerade in Spezialarbeiten wie
der seinigen müßte die Abkehr von den älteren Anschauungen, wie sie
bei K. Th. von Inama-Sternegg ihren Niederschlag gefunden haben,
deutlicher zum Ausdruck gebracht werden als es hier geschieht. Die
Darstellung ist schlicht, fast arm an allgemeineren Ausblicken, keineswegs
immer frei von eigenartigen Bemerkungen, wie denn die auf 8. 76 Anm. 1:
„Die fränkischen Könige hatten Deutschland nach der Unterwerfung
in vier Herzogtümer: Alemannien, Bayern, Franken, Sachsen eingeteilt"
rechtes Kopfschütteln zu erwecken geeignet ist. Die Drucklegung hätte
sorgfältiger überwacht werden können, um Druckfehler wie Topsch
für Dopsch (im Literaturverzeichnis S. XIV und mehrfach im Text),
Pötzl für Pöschl usw. zu vermeiden. Die Zitiermethode der fränkischen
Kapitularien ist, merkwürdigerweise wiederum nicht durchgängig, auf
die alte Ausgabe von Pertz eingestellt und manchmal geradezu unver-
ständlich (vgl. S. 230 Anm. 1; S. 74 Zeile 6 von unten muß es heißen
816, da c. 122 der Institutio canonicorum des Aachener Konzils von
diesem Jahre, MG. Concilia II, p. 401, gemeint ist). Die Beigabe eines
verkleinerten Faksimiles des bekannten in St. Gallen aufbewahrten
Normalplanes für ein Kloster ist dankenswert, das Urteil aber über ihn
schwankend (vgl. S. 12 mit S. 217 f. Anm. 3, nur an der letzten Stelle
richtig). Dem Bestreben des Verfassers, den Stoff zu meistern, ist nicht
der volle Erfolg beschieden gewesen.
Halle a. d. Saale.

A. Werminghoff.

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