Full text: Volume (4 (1914))

Beaumanoir und die geistliche Gerichtsbarkeit.

351

Laienbeklagten erließen, über Angelegenheiten, in denen sie
von der Entscheidung ausgeschlossen waren.1) Diese Rüge
wäre nicht möglich gewesen in einer Zeit, wo man das Ver-
säumnisurteil noch als Prozeßurteil auffaßte, das in der
Sache selbst nicht entschied.
C. Die in der vereinbarten kirchlichen Zuständigkeit
ergangenen Urteile sind zwar nicht dem Zwange zur Wieder-
aufhebung unterworfen wie die über Sachen der rein welt-
lichen Zuständigkeit. Aber sie entbehren jeder Wirkung
für das weltliche Recht. Sie begründen keinerlei Zwang zur
Vollstreckung mit Mitteln des weltlichen Arms. Die Kirche
ist ganz auf ihre geistlichen Zwangsmittel angewiesen.2)

Vierter Abschnitt.
Geltendmachung der Unzuständigkeit.
Es ist hier wiederum von der früher festgestellten3)
Natur der Zuständigkeit im Mittelalter auszugehen. Im
Gegensatz zu heute, wo die Gerichte nur Glieder eines ein-
heitlichen Organismus sind, wo also nur die Partei durch
Einrede, nicht auch das zuständige Gericht durch Inter-
vention die Unzuständigkeit zu rügen berufen sein kann,
stehen sich die mittelalterlichen Gerichte als Träger selb-
ständiger Gerichtsgewalt gegenüber. Die Gerichtsbarkeit
ist ein nutzbares Recht ihres Inhabers, an der er eine saisine
hat4); die Zuständigkeitsüberschreitung erscheint also als
ein Einbruch in eine fremde Gewere. Dem zuständigen
Gerichtsherrn liegt es ob, sein verletztes Recht auf Ab-
urteilung des ihm Gerichtsunterworfenen zur Geltung zu
1) Item, aliquando citant laycos, non insertis causis in citatione,
et non venientes excommunicant, in prejudicium curiarum tempora-
lium, tacentes causam, et sub tali taciturnitate de causa cog-
noscunt temporali. An sich war die Benennung des Streitgegen-
stands nach weltlichem Recht nicht notwendig; nur gelten bei der un-
substantiierten Ladung besondre contremands (Einsprüche). Vgl. z. B.
Beaum. 297, I p. 148 [X 4].
2) Beaum. 342. Oben S. 315. 3) Oben S. 279.
4) Vgl. Olim II p. 205. 1282, oben 8. 269, II p. 323. 1291, oben
8. 316.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer