Full text: Volume (4 (1914))

Die Entwicklung der Basler Kirchenverfassung. 247
protestantischem Charakter, wie es Basel nun einmal
trotz seiner vielen Katholiken infolge jahrhundertelanger
Tradition ist, die internationale katholische Kirche organi-
sieren will, kann doch, genau betrachtet, von einer Or-
ganisierung durch den Staat überhaupt keine Rede sein,
da die Kirche schon organisiert ist, ob sich nun der Staat
darum bekümmert oder nicht. So sagte schon der Luzemer
Philipp Anton von Segesser1):
„Unter den drei Kirchen ist die katholische die einzige,
welche eine von aller staatlichen Gliederung völlig un-
abhängige, in sich selbst abgeschlossene Organisation be-
sitzt. Diese ist ihr so wesentlich, daß sie gewissermaßen
das einzige Hindernis ihrer Vereinbarung mit der orien-
talischen und der vorzüglichste Grund ihrer äußeren
Scheidung von der protestantischen Kirche geworden ist.
Die Behauptung dieser Organisation ist daher auch der
wesentliche Punkt, für den sie die Toleranz ihrer Gegner
unabweisbar in Anspruch nehmen muß, aber sie gerade
hier am seltensten findet.2)“
Die Beteiligung des Staates an ihrer Organisation,
die die Kirche ihm zugestehen kann und will, reduziert
sich in letzter Linie, besonders in so kleinen Verhältnissen
wie in der Schweiz, auf Personenfragen; ist dagegen eine
katholische Gemeinde wie die Basler, ganz auf sich gestellt,
x) Philipp Anton von Segesser, Studien und Glossen zur
Tagesgeschichte 1859, Kleine Schriften, Bern 1877, I S. 51.
2) Vielleicht darf hier auch einmal Theodor Mommsen als Kron-
zeuge des katholischen Kirchenrechts angeführt werden. Bei der Be-
handlung der Pläne Friedrichs des Großen, die katholische Kirche in
Preußen zu organisieren (Rede zur Feier des Geburtstages Friedrichs
des Großen, 25. Januar 1877; Reden und Aufsätze3, Berlin 1912, 8. 87),
meint er, Friedrich habe die Zulassung eines Episkopats innerhalb des
protestantischen Preußens an eine Bedingung geknüpft, „die man vom
katholischen Standpunkte aus zu allen Zeiten als eine unmögliche theo-
retisch angesehen und praktisch behandelt hat“. Friedrich möge wohl
selber später eingesehen haben, daß sein Plan, die katholischen Bischöfe
unter eine nicht vom Papst, sondern von der Regierung eingesetzte
Autorität zu stellen, unausführbar gewesen sei, „daß kein Nachfolger
Petri und kein römischer Prälat ihm hierbei die Hand bieten konnte,
daß wenn nicht die katholische Kirche, doch das Papsttum
sich damit selbst aufgegeben haben würde“.

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