Full text: Volume (4 (1914))

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H. Henrici,

dem von ihren Angehörigen selber unterhalten würde,
allerdings nur dann, wenn diese die Verantwortlichkeit
dafür und die Vollmacht dazu hätten. Eine bloße Ablösung
und Sonderbehandlung des Kultusbudgets, ohne gleich-
zeitige gesetzliche Bestimmungen im Sinne größerer Selb-
ständigkeit der Kirche, ohne dieses Äquivalent für deren
Mehrbelastung, erscheine der Minorität des Kirchenrates
als unannehmbar. Eine mit größerer Selbständigkeit der
Kirche verbundene ,,Ablösung des Budgets“ dagegen würde
sie nicht nur nicht scheuen, sondern geradezu wünschen,
selbst wenn dieselbe der Anfang einer weitergehenden
Unabhängigkeit der Kirche vom Staat würde, was die
Majorität des Kirchenrates befürchte und vermeiden
möchte.
Soweit der Kirchenrat. In ihrer Sitzung vom 3. Juni
1907 nahm die Synode diesen Bericht widerspruchslos
entgegen.
Alles zusammengehalten ergibt sich die merkwürdige
Erscheinung, daß die Trennung von keiner Kirche ge-
wollt und die ganze Frage eigentlich nur von einer Partei
in Fluß gebracht wurde, die sich dabei keineswegs durch
Kücksicht auf die Kirche leiten ließ, sondern lediglich
eines ihrer Parteidogmen zu verwirklichen strebte.
Die Neuordnung hatte dieser Lage jedenfalls Rechnung
zu tragen.1)
Das bequemste Auskunftsmittel wäre gewesen, durch
die einmal als nötig erachtete Verfassungsänderung die Aus-
richtung einer Subvention an die Katholiken zu ermög-
lichen und im übrigen die Trennungsfrage auf sich beruhen
zu lassen. Dieser Vorschlag fand zuerst manche Anhänger,
die Regierung war aber, wie bereits ausgeführt, nicht da-
für. Sie konnte sich nicht dazu entschließen, eine immer-
hin beträchtliche Summe für die Katholiken auszuwerfen,
ohne irgendwelche Rechte als Gegenleistung zu bean-
spruchen. Ob dieser Standpunkt richtig war, ist schwer

x) Vgl. vor allem die Rede von C. Chr. Burckhardt im Großen
Rat vom 21. Januar 1909 (in den Basler Nachrichten vom 23. Januar).

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