Full text: Volume (4 (1914))

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Bernhard v. Simson,

an Hof dienst und Heerfahrten teilnehmen soll, weil der
Bischof erklärt hat, daß er durch seine beständige Inan-
spruchnahme für den kaiserlichen Dienst außer Stand ge-
setzt sei, seine oberhirtlichen Pflichten zu erfüllen. Auch
hier wird nicht erwähnt, daß Aldrich einen Chorbischof,
also einen Gehilfen hatte, der ihn in seinem geistlichen
Amt jedenfalls einigermaßen entlasten mußte.1) Ich halte
allerdings auch diese Urkunde für unecht2), wie sie auch
Lechner, in der 2. Auflage von Mühlbachers Regesten3),
als mindestens zweifelhaft ansieht und meine Verdachts-
gründe sogar noch ergänzt.
Wir wissen also nicht, ob der Chorbischof David auch
noch in den späteren Jahren Aldrichs unter ihm fungierte;
ein Zeugnis dafür fehlt; die bloße Hypothese Havets4)
bietet keinen Ersatz dafür.
Ebensowenig ist uns bekannt, in welcher Weise die
Vertretung des erkrankten Bischofs geregelt wurde. Wir
erfahren nur, daß Aldrich der Synode, die im April 853 im
Kloster St. Medard bei Soissons unter dem Vorsitz Karls
des Kahlen versammelt war, seine schwere Erkrankung
4) Der Bischof Aiglibert erhält nach den Actus (c. 1.4) unter ähn-
lichen Umständen die Erlaubnis, sich einen Chorbischof zu halten: Ipse
enim domnus Aiglibertus archicapellanus et princeps episcoporum regni
erat. Ideo ei concessum erat, ut haberet adiutorem sibi et chorepisco-
pum, ut, quando ipse praeoccupatus in servitio regali erat, praedictus
chorepiscopus ei adiutorium procuraret aliquod. Vgl. auch Wenning-
hof f, Gesch. der Kirchenverfassung Deutschlands im Mittelalter I, 78,
der von den Chorbischöfen sagt: „Die Bedeutung ihrer Tätigkeit war
um so größer, je öfter den Bischof Staatsgeschäfte in Anspruch nah-
men . . .“
2) Vgl. Entstehung 8. 99—103 (zu 8. 102 N. 4 jetzt Charles
und Eroger p. 134. 147; Mon. Germ. Concil. II, 838, lin. 26—28. 846,
lin. 9ff.).
3) nr. 1002.
4) 1. c. p. 336: „On ignorait jusqu’ ä present si cette prelature
införieure (der Chorepiskopat) avait continui d’exister dans le diocese
du Mans au-delä des premieres annees de 1 Apiseopat d’Aldric. L’em-
pressement de notre auteur ä la d6fendre contre les attaques du pseudo-
Isidore ne permet plus d en douter. A l’epoque oü fut arrete le texte
des Actus, au lendemain de l’apparition des Fausses Decretales, Aldric,
surement, avait encore un choreveque.“ Die Begründung der Hypo-
these prüfe ich weiter unten.

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