Full text: Volume (4 (1914))

Donum, investitura, conductus ecclesiae. 131
hatte, übertrug er jetzt die Pfarrseelsorge dem jeweiligen
Geistlichen der Kirche, machte ihn nicht in erster Linie
zum Nutzungsberechtigten, sondern zum Seelenhirten seiner
Pfarrei.1) Die Verwaltungsmaßregel wurde eine geistliche
Handlung.
Gegen eine solche Veränderung des Charakters der
Pfarrbegrenzung konnte der Eigenkirchenherr sich nicht
sträuben. Das Neue kam niemandem zum Bewußtsein, es
lag in den herrschenden Ideen begründet.
Eher mochte der Eigenkirchenherr stutzen, wenn der
Bischof auch bei der Besetzung der Eigenkirchen mit-
zuwirken beanspruchte. Da trat das Neue doch hervor;
es schien zwar billig, war aber früher nicht so gewesen.
Schließlich ging jedoch das Ganze den Eigenkirchenherrn
wenig an; seine Rechte sollten ja alle bestehen bleiben,
keines auch nur geschmälert werden. Das neue Empfinden
mußte die Übertragung des geistlichen Amtes durch den
kirchlichen Obern fordern. Es war eine Zeit ehrlichsten
Reformwillens und überschäumender religiöser Begeiste-
rung. Damals predigte im Dom zu Speier der heilige
Bernhard den Kreuzzug, und entflammt von heiligem Eifer,
alle politischen Pflichten vergessend, nahm König Konrad
das Kreuz, um das Grab des Erlösers zu befreien. Eine
solche Zeit wird sich nicht sträuben, kirchliche Mitwirkung
bei einer Handlung zu dulden, die sie als nicht rein weltlich
anerkennen muß. Wir verstehen es also, daß schon bald
das Recht des Bischofs auf Einweisung des Eigenkirchen-
priesters in die Seelsorge feststeht, daß der Eigenkirchenherr,
dessen Rechte ungeschmälert fortbestehen, die Mitwirkung
des Bischofs auf Grund reformkirchlicher Anschauungen
gestattet.

x) Das zeigt sich besonders darin, wie nunmehr der Bischof bei der
Pfarrerhebung die Übertragung der cura pastoralis oder parochialis
an die Pfarrkirche betont. Diese Begriffe tauchen jetzt erst in den Ur-
kunden auf: 1103 für Werden; Lacomblet, U. B. I Nr. 262, 8. 1691
(vgl. oben 8. 1261). 1121 für Steinfeld; Lacomblet, U. B. I Nr. 292,
8. 192. 1135 für Wadgassen; Mittelrh. U. B. I Nr. 482, 8. 537. 1144
für St. Mauritius zu Köln; Lacomblet, U. B. I Nr. 352, 8. 241. 1153 für
Merzig; Mittelrh. U. B. I. Nr. 575, 8. 633.

9*

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer