Full text: Volume (4 (1914))

Donum, investitura, conductus ecclesiae.

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zienserorden. Wenn auch der heilige Norbert ein rheinischer
Adliger war, den Prämonstratenserorden gründete er in
Frankreich. Die französische Kirche mußte daher auch die
ersten Kämpfe zwischen Altem und Neuem aushalten,
und was sich in diesen Streitigkeiten bewährt hatte, das
nahmen dann die deutschen Anschauungen auf. Der fran-
zösische Episkopat, der nie die politische Bedeutung hatte
wie der deutsche, der zum großen Teil nicht direkt unter dem
König stand, sondern die Herrschaft weltlicher Fürsten
anerkennen mußte, fühlte sich in erster Linie als Vertreter
kirchlicher Interessen gegenüber der weltlichen Macht.
Die französischen Bischöfe waren daher meist eifrige An-
hänger der Reform und vertraten ganz andere Anschau-
ungen als die deutschrechtlich denkenden Eigenkirchenherren.
Die rheinischen Bischöfe dagegen, wie überhaupt die
deutschen, verleugneten nicht, daß sie den vornehmsten
adligen Familien des Landes entstammten, daß sie sich
auch als Bischöfe mit den Interessen und Anschauungen
ihrer Standesgenossen aufs engste verbunden fühlten.1)
Sie waren Reichsfürsten und vertraten vor allem die welt-
lichen Interessen ihrer Kirche. Den Beschlüssen der fran-
zösischen Reformkonzilien standen sie ebenso fremd gegen-
über wie die Laien. Aber ebensowenig wie an diesen
ging an ihnen die Reformbewegung spurlos vorüber. Die
neuen Ideen erfüllten mächtig die ganze Christenheit und
vertieften und verstärkten die religiöse Anschauung. Nicht
die Gesetze und Konzilsbeschlüsse, sondern der Geist der
Reform bewirkte die Umwandlung, in gleicher Weise bei
Bischöfen wie bei Laien.
Dieser Wandel des Rechtsbewußtseins bringt dem
Eigenkirchenrecht in den Rheinlanden den Untergang, es
geht nicht im Kampf zwischen kirchlicher Gewalt und
Eigenkirchenherrn zugrunde. Wenn ich daher im folgenden
x) Über die Bedeutung der Standes Verhältnisse für die deutschen
Bischöfe Aloys Schulte, Der Adel und die deutsche Kirche im Mittel-
alter, Kirchenrechtl. Abhandl., hgg. von Stutz, 63. und 64. Heft,
Stuttgart 1910, 8. 61ff. Albert Werminghoff, Ständische Probleme
in der Geschichte der deutschen Kirche, diese Zeitschrift, Kan. Abt. I,
1911, 8. 52 ff.

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