Full text: Volume (4 (1914))

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Georg Schreiber,

Umfange durchführte und auf deren Bedeutung ich immer
wieder hingewiesen habe.1) Und auch auf die unterschied-
liche Rechtslage der Zisterzienserklöster konnte ich schon
in so fern eingehen, als ich darlegte, daß nur einige, aber
nicht die große Mehrzahl dieser im päpstlichen Eigen stand.2)
8. 285) zum Teil irreführend sind. Denn dieser Autor stellt es so dar,
als ob ich jede Kartause als exemt angesprochen hätte. Da muß ich doch
sagen, daß Brack mann, so freundlich und wohlwollend seine Auslassun-
gen auch gehalten sind, meine Ausführungen über die Kartäuser nicht
aufmerksam genug gelesen hat. Denn wenn er in Ergänzung zu Bd. I,
8. 82 noch Bd. II, 8. 351 mit Anm. 2 eingesehen hätte — eine Stelle,
die übrigens im Register II, 8. 411 unter dem Stichwort „Exemtion"
und ebenda 8. 423 unter „Kartäuser" vorsorglich gebucht ist — so
würde er auf folgenden, gewiß inhaltreichen Vermerk gestoßen sein:
„Aus dem zuerst erwähnten Schreiben geht auch hervor, wie wir in Er-
gänzung zu Bd. I, 8.82 bemerken, daß nicht alle Kartäuserniederlassungen
exemt waren, ein Vorrecht, das allerdings den calabrischen Klöstern (vgL
auch Löbbel, Der Stifter des Kartäuserordens, 8. 158. 160) zukam."
1) Siehe auch Kurie im Register II, 8. 411 unter „Exemtion"
und 8. 417 unter „Gründung" und außerdem meine Anzeige von Tomek,
Studien in dieser Zeitschrift I, 8. 1911, 8. 356ff. und besonders 8. 359,
wo ich bemerkte: „Die Päpste vollzogen die Eximierungen
nicht als Willkürakte, sondern richteten sich nach einer
unabhängig von ihnen gewordenen Tatsächlichkeit der
Dinge, also nach der realen Lage der Klöster. Päpstliche
Exemtionsbullen knüpften also an Vorgefundene Rechts-
verhältnisse an und drückten nur das Siegel auf eine ganz
oder doch zu großem Teil ohne ihr Zutun erfolgte Ent-
wicklung. Freilich in späteren Jahrhunderten und schon
im 12. Jahrhundert, als das Papsttum weniger den iso-
lierten Benediktinerklöstern als nunmehr festgeschlosse-
nen, kirchenpolitisch einflußreichen Ordens- und Kloster-
verbänden gegenüberstand, setzte es, durch seine stei-
gende Macht unterstützt, die Exemtion mehr von sich
aus. Aber auch dann noch blieben viele päpstliche Exem-
tionserlasse wirkungslos; das Getriebe des diözesanen
Lebens, in das die Klöster mit tausend Fäden und Be-
dürfnissen und nicht zum wenigsten mit ihrem Kirchen-
besitz verstrickt waren, erwies sich mächtiger als der
kuriale Wille." Ich denke, daß ich hier mit einigen knappen, aber
dabei kräftigen Umrissen die Situation klar und scharf gezeichnet habe.
Brackmann hat diese Auslassungen in seinen Studien, aber auch in
den Gott. Gel. Anz. (a. a. O.) nicht angezogen.
2) Kurie I, 8. 11. 33 mit Anm. 1. 90 mit Anm. 6. 109. 119 Anm. 2.
129 Anm. 1; II, 272 Anm. 3. 377 Anm. 1.

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