Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (4 (1914))

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Bernhard v. Simson,

während Havet, der darin mit den neuesten Herausgebern
die wirkliche praefatio der Gesta sieht1), der Hist. litt, mit
Unrecht widerspricht. „L’Histoire litteraire“, sagt er in
bezug auf die praefatio, ,,la jugeait etrangere ä Foeuvre.
II est vrai qu’elle est inutile et ne contient que des bana-
lites qui pourraient se mettre aussi bien en tete de tout
autre ecrit.“ Das ist durchaus unrichtig und oberflächlich.
Dies Vorwort stellt Grundsätze für Exegese auf: die buch-
stäbliche, grammatische Auslegung darf nicht vernach-
lässigt werden, von ihr ist auszugehen; aber man soll nicht
am Buchstaben haften bleiben, sondern zum höheren Ver-
ständnis auf steigen. Dabei werden Stellen aus Augustin2)
und Gregor dem Großen3) zitiert. Wir haben es, soviel
man sieht, mit der Einleitung zu einer didaktischen4), exe-
getischen oder grammatischen Schrift zu tun, die einiger-
maßen an Beda5) erinnert. Auch dieser benutzte in seinen
exegetischen Schriften vielfach Augustin und Gregor6), und
es finden sich bei ihm auch wohl gewisse Ausdrücke und
ähnliche bildliche Vergleiche, wie sie dies Vorwort liebt.7)

qu’on ne la lui eüt pas communiquee, soit que n’y voyant aucun fait
historique mentionn6, il Fait estimee trop peu interessante“). Wahr-
scheinlich hat Baluze jedoch das Urteil der Hist. litt, gekannt und
geteilt.
*) A. a. 0. S. 276f. 283f. 291. Lurz (S. 44) sieht die Echtheit
des Vorworts als nicht zweifellos an.
2) p. 3f.: unde et Agustinus (1. Augustinus) de hoc ait: Non timea-
mus ferulas grammaticorum, cum teneamus congruam et oportunam
locutionem scripturarum.
3) Vgl. oben 8. 3 N. 6. Dies Zitat ist aus der Einleitung zu Gre-
gors Expositio in lob (Moralia).
4) p. 1: Primitus quasi ad discipulos loquens, hortor ... 3: vos
seniores vel mei condiscipuli. — Haec enim dicendo et me pariter vobis-
cum admoneo.
5) Vgl. Bähr, Die christlich - römische Theologie (Gesch. der Röm.
Literatur. Supplement - Band. II. Abt.), 8. 481—485. — Daß das
Vorwort nicht vor dem 7. Jahrh. geschrieben sein kann, beweist das er-
wähnte Zitat aus Gregor I.: De quo et beatus papa Gregorius scripsit.
6) Vgl. Bähr a. a. 0. 8. 481.
7) Vgl. z. B. Bedas Vorwort zur Erklärung des Buches Tobias
(Bähr a. a. O. 8. 485 N. 2). — Havet glaubt dagegen in dieser Vor-
rede eine entsprechende linkische und inkorrekte Ausdrucksweise wie
in den Gesta Aldr. zu bemerken.

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