Full text: Volume (7 (1917))

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Karl Gottfried Hugelmann,

7. Die Lehre des Johannes Teutonicus
und ihre besondere Bedeutung.
Nur gelegentlich haben wir bisher die Lehre des großen
deutschen Kanonisten gestreift, der die Geistesarbeit der
Dekretisten in der glossa ordinaria zum Gratianischen De-
kret zusammenfaßte, des Johannes Teutonicus.1) Nicht nur
dem Dekret, sondern auch den Extravaganten war seine
wissenschaftliche Arbeit gewidmet, der wir einen wertvollen,
von der modernen Wissenschaft trotz seiner leichten Zu-
gänglichkeit wenig gewürdigten Apparat zur Compilatio IV,
als deren Kompilator man ihn sogar vermutet hat, ver-
danken.2) So steht er an der Scheide zwischen den Dekre-

non dico, de nulla: si enim sententia nulla sit ipso iure, nec timenda est,
nec tenenda, quod qualiter et in quot casibus accidat, plene
not. supra de der. excomm. minist. § qualiter excusentur.
Dieses Zitat wurde bisher offenbar nicht beachtet; denn an der zitierten
Stelle (Nr. 4 zu V 27, Spalte 1329) wird unter den Nullitätsgründen
ausdrücklich aufgezählt: quarto si sententia contineat in se in-
tolerabilem errorem. Es ist gewiß interessant, wie zähe sich die
Lehre des Gandulphus durch nahezu ein Jahrhundert behauptet hat,
und zwar gegen den Widerspruch des Huguccio.
x) Vgl. über ihn Schulte a. a. O. 1. Bd. S. 172 K. (daselbst S. 172
Anm. 1 die älteren Quellen); Scherer a. a. O. S. 249 und 256; Savigny,
Geschichte des römischen Rechts im Mittelalter, 5. Bd. S. 282ff.; Schulte,
Die Glosse zum Dekret Gratians von ihren Anfängen bis auf die jüngsten
Ausgaben, Denkschriften der Wiener Akad. der Wissensch., 1872 und
1876 (auch als S.-A.); Derselbe, Literatur der Compilationes antiquae,
Sitzungsber. der Wiener Akad. der Wissensch., 1870, S. 135ff.; Der-
selbe, Johannes Teutonicus (Semeca, Zemeke); Zeitschrift für Kirchen-
recht, 16. Bd. (Neue Folge, 1. Bd.) 8. 112ff. (gegen ihn Friedberg in
derselben Zeitschrift, 17. Bd. [Neue Folge, 16. Bd.] S. 405 Anm. 24);
Michael, Geschichte des deutschen Volkes, 3. Bd. S. 25?ff.; Schmidt,
Zeitschrift des Harzvereins, 19. Bd. S. 28, 22. Bd. S. 9f.; Jacobs, Ge-
schichte der Provinz Sachsen (Geschichte der europäischen Staaten,
41. Bd.) S. 201; R. Helßig im 3. Bd. des Catalogus codicum Mss. Biblio-
thecae universitatis Lipsiensis S. 113 (dagegen Seekel, Histor. Viertel-
jahrsschrift, 10. Bd. 8. 78); Rosenstock in dem unten S. 79 Anm. 1
genannten Werk.
2) Was die Vermutung der Verfasserschaft der Compilatio IV an-
langt, vgl. Scherer a. a. O. S. 249 Anm. 43 (im Anschluß an die Vor-
lesungen Maaßens). — Eine recht gute Ausgabe des Apparats zur Com-
pilatio IV findet sich in Antonii Augustini Archiepiscopi Tarraco-

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