Full text: Volume (7 (1917))

IX

Aber nicht nur das. Der Erlaß des neuen Gesetzbuchs
bewirkt auch, daß eine Unmenge von Rechtsstoff, der bis-
her als geltend mitgeführt wurde, wiewohl er vielleicht tat-
sächlich nicht mehr zur vigens disciplina ecclesiae gehörte,
in aller Form außer Geltung gesetzt und der Geschichte
überwiesen, also rein historisch wird. Das gilt zunächst
nach can. 6 no. I1) von allem gemeinen und von dem nicht
ausdrücklich aufrechterhaltenen partikulären Kirchenrechte,
das im Widerspruche steht zu den Bestimmungen des Kodex.
Aber auch schon die bloße Nichterwähnung genügt, um bis-
heriges Recht außer Kraft zu setzen: vor allem für Kirchen-
strafen jeder Art2) und darüber hinaus für kirchliche Rechts-
sätze, die, ohne in den anerkannten liturgischen Büchern
enthalten oder ins divinum positivum bzw. naturale zu sein,
weder ausdrücklich noch mittelbar im Kodex wieder kehren.3)
Das war ja gerade ein Hauptbeweggrund für die Kodi-
fikation, die Abschüttelung des massenhaften veralteten
Rechtes: Pius X. hat, auch hierin dem beipflichtend, was
schon anläßlich des vatikanischen Konzils geltend gemacht
worden war4), anerkannt, daß namentlich mit Rücksicht
auf die Menge des völlig oder doch zum Teil antiquierten
Rechtsstoffes die Neukodifikation ein dringendes Bedürfnis
sei.5) Und Benedikt XV. machte sich diesen Standpunkt

x) Leges quaelibet, sive universales sive particulares, praescriptis
huius Codicis oppositae, abrogantur, nisi de particularibus legibus aliud
expresse caveatur. Bezüglich des Gewohnheitsrechtes vgl. can. 5.
2) can. 6 no. 5: Quod ad poenas attinet, quarum in Codice nulla
fit mentio, spirituales sint vel temporales, medicinales vel, ut vocant, vin-
dicati vae, latae vel ferendae sententiae, eae tanquam abrogatae habeantur.
3) can. 6 no. 6: Si qua ex ceteris disciplinaribus legibus, quae usque
adhuc viguerunt, nec explicite nec implicite in Codice contineatur, ea
vim omnem amisisse dicenda est, nisi in probatis liturgicis libris repe-
riatur, aut lex sit iuris divini sive positivi sive naturalis. Ygl. can. 5 i. f.
4) Vgl. z. B. Lämmer S. 98, 101, 103, 105.
B) Motuproprio Arduum sane munus 1. c.: non paucae (sc. leges),
suis olim aptae temporibus, aut abrogatae sunt aut obsoleverunt; dejiique
nonnullae, ob immutata temporum adiuncta, aut difficiles ad exequendum
evaserunt aut communi animorum bono minus utiles. Demgemäß hätten
auch hervorragende Bischöfe und nicht wenige Kardinäle (auf dem vatika-
nischen Konzil und seither) die Herstellung eines erschöpfenden Gesetz-

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