Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (7 (1917))

VI

als Ganzes Pfingsten kommenden Jahres in Kraft treten soll,
stellt das alte Recht der katholischen Weltkirche auf eine
neue Grundlage, stößt gänzlich außer Geltung Getretenes
ab, macht teilweise Überholtes durch Umgestaltung wieder
lebensfähig und sammelt alles Bewährte mit solcher Vollstän-
digkeit auf, daß die Kirche daran denken kann, in Zukunft
in der Praxis mit diesem Gesetzbuche und einigen ihm
angehängten älteren Einzelerlassen der Päpste auszukom-
men. Vom Zeitpunkte seines Inkrafttretens an Codicem
fore authenticum et unicum iuris canonici fontem propter ea-
que tum in disciplina Ecclesiae moderanda, tum in iudiciis
et in scholis eo uno utendum esse, verkündete bereits am
7. August 1917 die Seminar- und Universitätenkongrega-
tion.1) Was das bedeutet, was der Kodex uns Neues bringt,
welches Aussehen durch ihn das gemeine katholische Kir-
chenrecht erhält, wie er sich in einzelnen wichtigen Punkten
zum älteren Rechte und gegenüber der Außenwelt, ins-
besondere gegenüber dem Staate und den Andersgläubigen
verhält, dies auseinanderzusetzen ist hier nicht der Ort.2)
Jedoch der Kodex macht auch Epoche auf dem Ge-
biete der kirchlichen Rechtsgeschichte.
Zunächst bringt er zum Abschluß eine Entwicklung,
die etwa mit der französischen Revolution oder vielleicht
besser mit dem französischen Konkordate einerseits und
mit der deutschen Säkularisation oder vielmehr mit unseren
Zirkumskriptionsbullen anderseits anhob, anfänglich im
Wiederaufbau der zertrümmerten Kirchenverfassung und in
der Wiederherstellung des übel zugerichteten gemeinkirch-

Siehe Acta IX 1917 p. 439.
2) Vgl. Ulrich Stutz, Die Neukodifikation des kanonischen
Rechtes, Deutsche Literaturzeitung 1917 Nr. 40 vom 6. Oktober Sp.
1243ff., Denselben, Codex iuris canonici, Internationale Monatsschrift
XII 1917- H. 1 vom 1. Oktober (ausgegeben Anfang November) Sp. 15 ff.
und im einzelnen Denselben, Das neue päpstliche Gesetzbuch und die
Andersgläubigen, im roten „Tag“ Nr. 228 vom 29. September 1917 sowie
Denselben, Das neue päpstliche Gesetzbuch und der Staat, ebenda
Nr. 246 vom 20. Oktober 1917. Diese und andere Aufsätze des Ver-
fassers über das neue Recht sollen demnächst gesammelt in den „Kirchen-
rechtlichen Abhandlungen“ erscheinen.

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