Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (7 (1917))

Karl Gottfried Hugelmann,

munikation ab, fast nur an ihnen mißt er die Wahrschein-,
lichkeit der herrschenden Erklärung unserer Stelle. Und
erst hieran reiht er die philologische Untersuchung.
Wir wollen im folgenden gerade den umgekehrten Weg
einschlagen und zuerst feststellen, was — rein sprachlich
betrachtet — die Stelle bedeuten kann, und was sie wahr-
scheinlich bedeutet. Wir wollen uns weiter Rechenschaft
darüber geben, wie die Stelle von den Zeitgenossen ver-
standen wurde. Wir wollen schließlich untersuchen, wie
der so erschlossene Sinn der Stelle sich mit anderen Äuße-
rungen der deutschen Rechtsüberzeugung über die gleiche
Frage verträgt. Und erst an letzter Stelle soll geprüft
werden, in welchem Verhältnis er zur Lehre der Kanonisten
steht, und ob er vielleicht auch unter ihnen ähnlichen Ge-
danken begegnet. Eine entscheidende Bedeutung für
die Auslegung des Sachsenspiegels darf aller-
dings unseres Erachtens dem Ergebnis dieser
Prüfung nicht beigemessen werden. Um so be-
deutsamer wird es für die Beurteilung des
Verhältnisses des Sachsenspiegels zum kano-
nischen Recht sein.
2. Der Gebrauch des Ausdrucks „mit rechte“
im Sachsenspiegel.
Wir beginnen mit der philologischen Frage: was kann
der Ausdruck mit rechte im Mittelniederdeutschen über-
haupt bedeuten, und in welcher Bedeutung gebraucht ihn
insbesondere der Sachsenspiegel?
Das „Mittelniederdeutsche Wörterbuch“ von ScSiller-
Lübben verzeichnet drei verschiedene Grundbedeutungen
des Wortes recht. Die erste Grundbedeutung (I) entspricht
unserem Worte Recht, im objektiven und subjektiven Sinn.
Sie wird in vier Abspaltungen aufgelöst: recht bedeutet
nach Schiller-Lübben a) das Recht, die richtige Ordnung,
die allgemeine Rechtsnorm, die angibt, was recht und ge-
bührlich ist, die (richterliche) Entscheidung über das, was
recht ist; b) den Inbegriff konkreter Rechtsnormen (z. B.
Recht der Sachsen usw.); c) die Befugnis, insbesondere den
Inbegriff der Befugnisse nach dem Stande, das Standes-

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