Full text: Volume (7 (1917))

10.2. Luther und die res sacra

Miszellen.

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weltlich B. 27. Sie ist nicht von der Kanzlei der Grafen von Württem-
berg ausgestellt und gegeben am 7. Februar 1428:
Ich Tristram und Wilhelm druchsessen von Waldeck gebruder
bekennen mit disem brieff für uns und alle unser erben, das wir
yetzund mit gutem willen von besonder gnad und fürderung wegen,
so die hochgebornen hern Ludewig und hern Ulrich gebruder
graven zu Wirtemberg unser gnedig liebe herren und ir altvordern
uns und unsern altvordern dicke getan hand und noch tun mögen,
alle unsere rechte, so wir haben und gehabt han an den wydemhöfen,
kirchen und kirchensetzen mit ir zugehörung zu Gechingen und zu
Dahtel luterlich eweclich und eigentlich mit aller lihung und be-
sitzung und gantzer eigenschaft gegeben und ergeben han den ob-
genanten unsern gnedigen herren und iren erben, damit zu tun und
zu lassen als mit andern iren kirchen und eigem gut, one unser,
unser erben und allermenglichs von unsern wegen irrung, hindernisse
und widersprechen, one alle geverde. Und des zu urkunde han wir
unsere eigene ingesigel offenlich gehenkt an disen brief, der geben
ist an samstag nach unser lieben frowen tag liechtmesz nach
Cristi gepürt, als man zalt viertzehenhundert zweintzig und acht
jare.
Einer Erläuterung bedarf das Stück, das von der Übereignung der in
ihm genannten Kirchen spricht und sie anderem Eigengut gleichstellt,
nicht. Es und manche andern gleich ihm stimmen vortrefflich zu dem,
was uns die Reformation Kaiser Sigmunds und die Epistola de miseria
curatorum lehrten. Ulrich Stutz.

[Luther und die res sacra.] Die Weihung, Konsekration einer
Sache verändert nach evangelischer Auffassung die Sache selbst nicht.
Die Weihe vermag der Sache eine höhere, eine heilige Eigenschaft
nicht beizulegen. Kein Geistlicher besitzt die Macht, eine res non
sacra in eine res sacra zu verwandeln. Es gibt keine Sachen, die nach
der Weihung besondere Fähigkeiten besäßen, besondere Kräfte aus-
atrahlten. Durch die evangelische Weihung wird Gott gebeten, er
möge seinen Segen dem gewähren, der die geweihte Sache gläubig
gebraucht.1)
Luther hatte sich zu dieser evangelischen Auffassung noch nicht
völlig durchgerungen. Er steckte noch ein Stück in der katholischen
Lehre von der res sacra. Dies beweist ein Vorgang, weicher sich zu
Wittenberg im Jahre 1542 abspielte und der von Drews in den hes-
sischen Blättern für Volkskunde Bd. IV Heft 2 und 3 erzählt wird.
Eine Frau stieß mit ihrem Mund an den Kelch des Herrn,
während sie das Abendmahl genießen wollte. Sie verschüttete durch

1) Sehr hübsch heißt es in der unten erwähnten Merseburger Ordnung
vom Abendmahl: das unser glaube, welcher die vorgebung der sunde erlanget»
durch solch Hoehwirdig Sacrament gestercket und befestiget wirt.

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