Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (7 (1917))

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Rudolf Schaefer,

Die Kirchenordnung verwirft aber auch schon das Be-
mühen der Geistlichen um eine bessere Stelle: „gleiches
falles achten wir auch das aus Gottesworte dem göttlichen
ordentlichen berufe stracks zu widern sein, wenn die Pre-
diger allein umb mehr und besser besoldunge und jehrligs
größers einkomendes oder ansehendes willen ihre pfarren
verlassen und nach den reichern und hohem rennen, laufen1)
und mit listigem durchdreiben etwas expracticirn und also
ohn rechtmeßigen beruf sich ihrer vocation enteußern und
in andere kirchspiel eindringen. Denn weil sie ihre scheflein
um schendliches gewinstes halben verlassen, und anders-
wohin laufen, ehe denn sie von Gott gesand werden, so
werden sie auch gewißlich an solcher zeitlicher expracti-
cirter nahrungen, auch in ihrem ganzen ampte wenig ge-
deiens zu erwarten haben, wie man denn allbereit in ver-
gangener Visitation dessen greifliche exempel gespüret und
gefunden hat. Sol derwegen solch schendlich laufen und
hantierung nach den pfarren den kirchen dienern in diesem
fürstenthumb genzlich verboten sein und ihnen neben unsern
so wol special als generalsuperintendenten von den con-
sistorialibus mit fleißigem einsehen treulich gewehret wer-
den.“2)
Die Kirchenordnung hält auch eine Bewerbung um
eine bestimmte Stelle für unangemessen und billigt nur
ein allgemeines Anbieten des Dienstes: „weil aber in Gottes
worte nicht verboten sondern zugelassen ist, seinen dienst
der kirchen Christi in predig und lehre, auch andern emptein
anzubieten, so wil doch nicht dadurch Gottes wort gebilliget
noch freigestellet haben, daß ein solcher ihm selbst einen
gewissen ort ernennen und in denselbigen unordentlicher
weise unerwartet] vergehendes rechtmeßigen göttlichen3)
x) Die Ausdrücke und die ganze Ausführung erinnern an die kur-
sächsische Kirchenordnung von 1580, aber der Verfasser der K.O., der
dem Generalsuperintendenten so energisch ein eigenmächtiges Versetzen
der Geistlichen untersagt, hatte wohl in seiner Heimat Stoff genug und
konnte hierfür eine Vorlage entbehren.
2) Sehling V 8. 410f.
8) Die göttliche Berufung erfolgt nach der luth. Dogmatik im-
mediate (z. B. Paulus), mediate aber und ordinarie durch die, denen
das Berufungsrecht zusteht: Patron, Obrigkeit usw.

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