Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (7 (1917))

Rudolf Schaefer,

312 .
presentieren und nicht ir Pastoreien auß gunst oder anderen
unge bür liehen Ursachen ungeschickten personen verleimen.
Und damit wir unser ampt auch dabey thun, befehlen wir
ernstlich,“das niemandt investiert werde, er sei denn zuvor
durch die ordentliche Examinatores mit fleiß verhöret und
habe von denselbigen gute zeugnüß an die, von welchen er
soll investirt werden, und an den Suffraganum.“*)
Die „Lüneburger Artikel“ aber ordnen an: „Uppedat
öwerst ein yllick synes amptes trüweliken warnemen, den
vorsümigen billicke strafte, den ungeschickeden ere mate
upgelecht, den krancken unde anderen erer notröfft unde
gebreeke bedacht werden, Js van nöden, dat nein (kein)
kercknere ewich tho blivende gesattet, confir-
meert edder besteediget werde, sunder so verne he
sick reedelyken holde, dat ok na erförderinge bemelter
ynfelle de gemenheit sampt todaet (Zutun) der owericheit
hirynne tho handelen, ordenen, setten unde entsetten macht
beholde.“2) Hier werden die beneficia intitulata aus Grün-
den, die wir auch bei katholischen Kanonisten wiederfinden,
in beneficia manualia verwandelt und die Geistlichen voll-
kommen amovibel gemacht, und es bedarf keiner Ausfüh-
rung, daß diese darauf angewiesen waren, sich andere Stellen
zu suchen und zum se ipsum transferre greifen mußten, das
bei dem Mangel an Geistlichen, der gerade in jener Zeit
sich sehr fühlbar machte, fast immer von Erfolg be-
gleitet war.
Nehmen wir hinzu, daß eine Reihe von Geistlichen
wegen ihrer informatorischen Ansichten und Predigten ver-
trieben wurden oder der Enturlaubung zuvorkamen, um in
anderen Gebieten einen neuen Wirkungskreis zu suchen,
daß es Luther unmöglich war, die vielen Bitten um evan-
gelische Geistliche, die an ihn kamen, zu erfüllen, dann
mußte das se ipsum transferre der Geistlichen in den An-
fangszeiten der informatorischen Bewegung nicht nur ge-
duldet, sondern durch alle diese Umstände sogar gefördert
werden, bis die Kirchenordnungen nach und nach Wandel
schaffen und die sich bildenden Landeskirchen geregelte

J) Richter II 8. 76f.

2) Richter I 8. 70.

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