Full text: Volume (7 (1917))

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Ludwig Kaas,

Die Ungültigkeit der Ernennung Becks läßt sich auch
dadurch nicht mit Sicherheit sanieren, daß sie mit Ein-
willigung, ja auf ausdrückliche Bevollmächtigung des
Fürstenprimas von Dalberg als Metropolit bzw. als
episcopus vicinior geschehen ist. Nach den früheren Aus-
führungen müssen die Metropolitanansprüche Dalbergs als
vollständig unbegründet abgewiesen werden. Aber selbst,
wenn wir sie anerkennen könnten, wären sie ebensowenig
imstande, die Rechtsgültigkeit der Ernennung Becks durch-
aus sicherzustellen, wie Dalbergs Eigenschaft als episcopus
vicinior. Nach unseren obigen Darlegungen ist nämlich
das Devolutionsrecht des Metropoliten bzw. des episcopus
vicinior ebenso an die Verfallfrist von acht Tagen gebunden,
wie das Wahlrecht des Kapitels.1) Macht man mit dieser
Auffassung Ernst, dann kann an der formellen Ungültigkeit
der im Auftrag des Primas vorgenommenen Wahl Becks
kein Zweifel obwalten, da zur Zeit seiner Ernennung das
Devolutionsrecht längst an den päpstlichen Stuhl über-
gegangen war.
Um so auffälliger ist es, daß Hohler, Geschichte des
Bistums Limburg I S. 86 glaubt, gegen die Ernennung Becks
durch Dalberg werde „sich kaum eine ernste Schwierigkeit
erheben lassen“. Hohler ist augenscheinlich der Ansicht,
der durch Devolution Berechtigte sei überhaupt an die Ein-
haltung einer bestimmten Frist in der Ausübung seines
Rechtes nicht gebunden. Daß diese Auffassung mit dem
Grundgedanken des ganzen Devolutionsinstitutes in Wider-
spruch steht, scheint Hohler nicht bedacht zu haben. Nach
formellem Recht ist seine Ansicht daher zweifellos abwegig.
Die Gültigkeit der Bestallung Becks ließe sich höch-
stens aus anderen Erwägungen heraus mit einer ge-
wissen Wahrscheinlichkeit konstruieren.
Die Behinderung des Verkehrs mit dem römi-
schen Stuhle, welche durch die Gefangenschaft des Pap-
stes bedingt war, machte es Beck unmöglich, sich von dort
die nötigen Vollmachten zu verschaffen. Seine darauf ab-

1) Vgl. Hinschius, System des Kirchenrechts II8. 234k.; Scherer»
Handbuch des Kirchenrechts I S. 590.

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