Full text: Volume (7 (1917))

Das Trierer Apostolische Vikariat in Ehrenbreitstein. 225
Demgegenüber auf die obenerwähnte mildere An-
sicht von Gar eia hinzuweisen, erscheint wenig aussichts-
voll. Selbst im besten Falle bietet die genannte Ansicht
nicht mehr als eine schwache Probabilität, die nicht im-
stande ist, die Gültigkeit der Ernennung Becks zu sichern.
Abgesehen von der Überschreitung der tridentinischen
Frist muß die Wahl Becks auch insofern als ungültig an-
gesehen werden, als sie so gut wie sicher gar keinen kapi-
tularen Akt des Gremiums, sondern einen zwar amt-
lich gemeinten, im Gründe aber doch nur solitären Akt
des Domdechanten Kesselstadt darstellt. Eine Be-
schlußfassung der Kapitelsmitglieder ist in den vorhegenden
Akten auch nicht mit einem Worte angedeutet. Die Formu-
lierung der Ernennungsurkunde ist nichts als Maske. Kessel-
stadt unterschreibt im Namen des Kapitels, ohne für seine
Legitimation von seiten der Kapitulare irgendeinen Beweis
beibringen zu können.
Auch der oben angedeutete Ausweg einer still-
schweigenden Delegation Becks führt nicht zum Ziel.
Danach hätten die Mitglieder des Trierer Domkapitels eben
dadurch, daß sie vorerst keinen Kapitelsvikar wählten, hin-
reichend zu erkennen gegeben, daß sie die Fortführung der
Jurisdiktion Becks wünschten. Durch die spätereErnennung
zum Vikar wäre dann der von Anfang an vorhandene con-
sensus tacitus mehr oder minder zu einem consensus ex-
pressus geworden, vorausgesetzt, daß der Domdechant da-
bei mit Zustimmung der Majorität bzw. der in Augsburg
ansässigen Kapitelsmitglieder handelte. Eine kaum über-
windbare Schwierigkeit für diesen Erklärungsversuch liegt
aber darin, daß allem Anschein nach die Trierer Domherren
von dem rechtlichen Fortbestand des Kapitels keineswegs
überzeugt waren. Demnach können sie auch nicht gut die
Absicht gehabt haben, den Generalvikar stillschweigend zur
Fortsetzung seiner jurisdiktionellen Betätigung zu ermäch-
tigen. Ganz abgesehen davon, daß die Schuldoktrin nicht ge-
stattet, die Formlosigkeit der Vikarswahl so weit zu steigern,
wie es im Falle eines derartigen consensus tacitus geschähe.1)

x) Ebers, Devolutionsrecht 8. 357k.
Zeitschrift für Rechtsgeschichto. XXXVIII. Kan. Abt. VII. 15

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