Full text: Volume (7 (1917))

XVI

römanistischen, vor allem aber die germanistischen neue
Triumphe gefeiert haben. So wird es auch mit dem kirch-
lichen Recht gehen. Dies um so sicherer und um so eher,
als, wie schon der oben1) angeführte Hinweis des Kodex
auf das alte Recht lehrt, das durch und durch konservative
- katholische Kirchentum mit seinem Traditionalismus auf
die Wahrung des Zusammenhangs mit der Vergangenheit
weit mehr angewiesen ist als das weltliche Gemeinwesen
und sein Recht. In der Tat schreibt auch der genannte
Erlaß der Seminar- und Universitätenkongregation vor, es
solle bei der Behandlung des Kodex den Ausführungen über
jedes einzelne Rechtsinstitut eine geschichtliche Einführung
vorangeschickt werden.2) Das ist gut gemeint, geht aber
freilich nicht über das hinaus, was ich seinerzeit3) als bloße
Einleitungshistorie gekennzeichnet habe. Viel wird damit
nicht erreicht werden. Wir alle wissen, wie kümmerlich
vielfach bei uns die von unseren Unterrichtsverwaltungen -
und juristischen Fakultäten aus denselben Gesichtspunkten
und im gleichen Sinn und Geist vorgeschriebenen dogmen-
geschichtlichen Einleitungen zu den einzelnen Teilen unseres
Bürgerlichen Gesetzbuchs ausgefallen sind. Wirklich erfolg-
reich kann man die Geschichte, auch die Rechtsgeschichte,
nur um ihrer selbst willen und synchronistisch behandeln.
Die genannten historischen Einleitungen schrumpfen regel-
mäßig zu bloßen Tatsachenmitteilungen und zu dürftigen,
abgerissenen Bemerkungen zusammen, aus denen der Geist
der Geschichte glücklich ausgetrieben ist, die den großen
historischen Zusammenhängen nicht oder nur unvollkommen
gerecht werden. Immerhin ist solche Einleitungshistorie
besser als nichts. Und außerdem sind ja obige Vorschriften
nicht maßgebend für die nichtkirchlichen, besonders für die
staatlichen Universitäten und Rechtsschulen, geschweige

x) S. X mit Anm. 2.
2) Iidem tamen magistri — heißt es an der oben S. XIV Anm. 1 a. E.
ausgelassenen Stelle — ante quam dicere de aliquo instituto iuridico
aggrediantur, apte exponant, qui eius fuerit ortus, quae decursu tem-
poris acciderint progressiones, mutationes ac vices, ut discipuli pleniorem
iuris cognitionem assequantur.
8) Kirchliche Rechtsgeschichte 8. 13.

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