Full text: Volume (1 (1911))

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Max Conrat,

oder vom Bischof wegen schlechten Wandels abgesetzten
Kleriker, der dann unwiderruflich und, je nach seiner Her-
kunft und der Größe seines Vermögens, der Kurie oder einer
städtischen Korporation bzw. zu einer für ihn sich eignenden
Dienstleistung überwiesen wird.1) In einem zweiten Gesetze
(1, 4) ist verordnet, daß der von seinen Mitbischöfen abge-
setzte Bischof, der die öffentliche Ruhe und Sicherheit in
Gefahr bringt, indem er die Wiedereinsetzung in sein Amt
betreibt, den früheren Bischofssitz zu meiden hat und auch
nicht durch kaiserliches Reskript seine Wiederherstellung
erzielen kann: erinnert man sich, daß nicht lange vor der
Publikation des Breviars wiederholt katholische Bischöfe,
unter der Anschuldigung der Konspiration mit den Franken,
vom Bischofssitz entfernt oder abgesetzt, auch wohl durch
den König zurückberufen wurden2), so kann es nicht für
unwahrscheinlich gelten, daß auf die Aufnahme der Kon-
stitution in das Gesetzbuch die geschichtlichen Vorgänge
Einfluß geübt haben. Endlich bezieht sich eine Dreizahl
von Konstitutionen auf das Forum (1, 2 u. 3; 5, 1). Ihr
Rechtsinhalt besteht hierin, daß geistliche Streitsachen bzw.
die unter Klerikern über die Religion sich abspielenden
Sachen vor das geistliche Gericht, dagegen Kriminalsachen
vor den bürgerlichen Richter gehören: das geistliche Gericht-

') Die Interpretation zeigt einzelne leise Abweichungen, insbe-
sondere, daß sie die Decem primi curiales, die für die Verwendung
des Klerikers im städtischen Dienst haften, durch Kurialen schlechthin
ersetzt. Mit Bezug auf die Überweisung an den städtischen Dienst
sagt der Gesetzestext: pro hominum qualitate et quantitate patrimonii
vel ordini suo vel collegio civitatis adiungatur: modo ut quibuscum-
que apti erunt publicis necessitatibus obligentur; hingegen heißt es in
der Interpretation: (ut.) si ita et natalibus et facultatibus est idoneus,
eum inter ipsos curiales officium suum inplere conpellat. Si autem
infima persona est, inter collegiatos eum observare, vel ad quod aptus
fuerit, in publico servire lex ista constituit. Noch deutlicher als im
Text wird hier mit dem Fall gerechnet, daß ein Kleriker wohlhabend
ist. Es mag dann nach Auffassung der Interpretation auch die Auf-
nahme von wohlhabenden Personen in den Klerus zulässig gewesen
sein, gegen den Standpunkt von Konstitutionen von Theod. (2, 3. 6.
11. 17), die darum nicht aufgenommen sein werden (vgl. 8. 70 *)• — 2) Vgl.
Aschbach, a. a. 0. 8. 168. Der Schriftsteller weist auf Gregor Hist.
Franc. 2, 36 u. 10, 31.

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