Full text: Volume (1 (1911))

Westgot. ii. katli. Auszüge d. 16. Buchs d. Theodosianus. 79

nehmen darf, ohne Unterschied des Stammes, dem sie ange-
hören, wendet — der Häretiker kommt nicht als verbreche-
rischer Römer in Betracht, sondern seine Verfolgung wird
als Angelegenheit der Ecclesia Romana angesehen — mögen
die einzigen Häretiker sein* 1), gegen die der westgotische
Gesetzgeber, begreiflicherweise dabei die im Munde des
Arianers Anstoß erweckende Bezeichnung des Härefcikers
vermeidend2), eingeschritten sein wird.3) Dem Eindringen

sollen. Unter den Häretikern werden, und zwar zuerst, die Manichäer
genannt. Nur auf die Manichäer aber kann im Rahmen der Kodifikation
der Text direkt bezogen werden (vgl. die folg. Note), da diese in
Sachen der Häresie eben kein anderes als das gegen die Manichäer
gerichtete Gesetz Valentinians 111. enthält.
l) In der Aufzählung von Häresien der Novelle Theodosius’ II.
(vgl. vor. Note) werden auch die Priscillianisten genannt, die ja auch um
die Zeit der Publikation des Breviars im westgotischen Reiche vor-
gekommen sein werden: denn der Priseillianismus ist, wie die spanische und
südgallische überhaupt, die in Resten auch noch in den Zeitläuften west-
gotischer Herrschaft nachweisbare Häresie (vgl. Me ne n dez Pela vo,
Historia heterodoxos espaholes 1,100 sq. 170.171). Man könnte meinen, daß
der Gesetzgeber, indem er Ausführung der gegen Manichäer und Priscillia-
nisten erlassenen Gesetze verordnet, die Novelle Valentinians I1L, die
sich ausschließlich gegen erstere wendet, analog gegen letztere an ge-
wendet wissen will. Wahrscheinlicher ist mir, daß im Sinne des Ge-
setzgebers unter den Manichäern auch die Priscillianisten verstanden
werden, da Priscillian wegen Manichäismus verurteilt wurde und der
spanische und gallische Priscillianismus mit dem Manichäismus in un-
verkennbarem Zusammenhang stand (vgl. Real-Enzykl. für prot. Theo!.3
XVI, 64 u. 65 und XII, *226 u. Arnold, Cäsarlus v. Arles 8. 157). —
2) Das Wort kommt im Breviar, außer im Text der Novelle Theo-
dosius II. (Rubrik und sonst [§ 1 haereticorum genera; §9 haereticae
fatuitatis auctores]), nicht vor. Die Interpretation zur Novelle spricht
nicht von Häresien, sondern von Sekten (vgl. 8. 80 1). — 3) Die Chronik des
Hydatius ad a. 448 (MG. Auct. antt. XI, 25) berichtet von dem Auftreten
eines Römers Pascentius im Westen der spanischen Halbinsel um die
Mitte des 5. Jahrhunderts, der dem Manichäismus huldigte und Prose-
lyten machte. Menendez Pelayo (vgl. X. 1), 8.170, nimmt an,
daß Pascentius zu den aus Rom flüchtigen Sektirern gehörte, gegen
die sich die Dekretale Leos vom Jahre 444 iMaffe, Regesta 2 n. 405) richtet.
Cäsarius von Arles eifert als Bischof (seit 502) gegen von ihm als
manichäiseh bezeichnete Anschauungen, die auch die Aufnahme anti-
maniehäischer Kapitel in gallischen Kanonensammlungen der Mitte des
6. Jahrhunderts veranlaßt haben werden: vgl. Arnold, a. a O. 8. 156.
157. 562.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer