Full text: Volume (1 (1911))

Westgot. u. kath, Auszüge d. 16. Buchs d. Theodosianus. 77

Titel, soweit es bisher nicht erklärt ist (vgl. 8. 73), zumal einzelne
recht umfangreich sind, einem solchen zu begegnen. So
insbesondere in der Streichung des ‘De haereticis’ rubrizierten
Titels (5), mit dem nicht weniger als bb Gesetze der Vorlage
ausgefallen sind. Weithin wird sich hier indessen die Aus-
scheidung damit erklären, daß zur Zeit der Abfassung des
Breviars die Häresien, von denen die Konstitutionen handeln,
wenigstens im Umkreise der Herrschaft des Gesetzbuchs
nicht Vorkommen.1) Der Ausfall weiterer Gesetze, die das
katholische Glaubensbekenntnis proklamieren (vgl. 8. 74), die
Arianer ächten (vgl. 8.74) und den Katholizismus privilegieren
(vgl. 8. 75), hat sich uns bereits als einfache Befolgung eines
Gebots der religiösen Selbsterhaltung ergeben. Indessen aus
keinem anderen Grunde widerstrebten der Aufnahme in die
Kodifikation auch alle diejenigen Konstitutionen, die sich
ohne Hinweisung auf den Arianismus, andererseits aber auch
ohne Beschränkung auf eine bestimmte Sekte gegen die
Häretiker wandten. Häretiker ist ja doch ein jeder, der,
sei es auch in einem unbedeutenden Punkte, von der Lehre
des Katholizismus ab weicht, oder mit anderen Worten,
Häretiker ist nicht der andersgläubige Christ überhaupt,
sondern der Christ, der nicht orthodoxgläubig ist. so daß auch
der Arianer darunter fällt: dies ist der Sprachgebrauch von

x) Einen Katalog der in Theod. und insbesondere im fünften Titel
vorkommenden Häresien liefert Godofredus (VI, 116 sq.). Meistenteils
gehören sie ausschließlich dem Orient an. So finden sich denn in
unserem Titel, aus dem fünften Jahrhundert, auch nur wenige Kon-
stitutionen aus dein Westreich und betreffen die Donatisten > 67. 41. 43.
44. 46. 52. 54. 55), Priscillianisten (4V 43) und insbesondere die Mani-
chäer; eine Konstitution (53) ist gegen Jovinian und seinen Anhang
gerichtet (vgl S. B)7f.). Was dann im besonderen das Verhältnis von
Theod. zu Häresien — abgerechnet den Arianismus — betrifft, die
auf westgotischem Boden nachweisbar sind, so kann für die gallischen
Regionen des tolosauischen Reiches, die vor dem Jahre 507 einen großen
Teil ausmachten, auf ein Wort des G odofredus (VI, 117 in fine [vgl. auch
p.4Sj) hingewieseu werden: illud memorabile,per Gallias nullam haeresin
hoc Codice memorari. Diese Bemerkung ist wohl dahin zu verstehen,
daß Theod. XVI kein nach Gallien gerichtetes Ketzergesetz bzw. keine
von häretischen Bestrebungen auf dem Boden Galliens handelnde Kon-
stitution enthält. Dasselbe wird man wohl mit Bezug auf das tolo-
sanische Reich überhaupt sagen können.

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