Full text: Volume (1 (1911))

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Albert Werminghoff,

und schließlich ihre Vereinigung zu einer einzigen großen
wünschen und erhoffen möchte.1) Ihr letztes Ergebnis
würde die Einsicht in eine Vielgestaltigkeit sein, in der
starre Formen und beweglichster Inhalt sich verbanden und
gegenseitig bedingten.

Wider Erwarten mündeten unsere Betrachtungen in das
sog. spätere Mittelalter ein und weiteten sich gleichzeitig zu
Darlegungen über die Besetzungsart bei deutschen Bistümern
aus, von denen nur zwei, Köln und Straßburg, freiständische
Domkapitel besaßen. Es ist Zeit daran zu erinnern, daß
diese beiden freiständischen Anstalten nicht die einzigen der-
selben Zusammensetzung auf deutschem Boden waren, ferner
daß es neben allen freiständischen Anstalten auch solche für
den freien oder hohen und den niederen Adel, d. h. gemischt-
adlige Anstalten gab. Vereinigt man diese beiden Kategorien
zu einer einzigen Gruppe im Kreise aller Anstalten überhaupt,
so erschließen sich noch andere Gedankengänge, die in Kürze
wenigstens angedeutet werden sollen.2)
Alle adligen Anstalten und die von ihren Mitgliedern
bekleideten kirchlichen Würden sind Hinweise auf die An-
teilnahme des Adels am kirchlichen Leben des deutschen
Volkes. Sie verraten eine kirchliche Betätigung des Adels
und seiner Mitglieder, die der aller übrigen Stände zum
mindesten ebenbürtig ist, besser vielleicht: sie führen zu
dem Ergebnis, daß die Kirche auf deutschem Boden wie am
längsten so am nachhaltigsten vom Adel beeinflußt wurde,
daß die übrigen Schichten der Nation nur kürzere Zeit und
!) Erwünscht wäre eine Übersicht der Bischöfe im Besitz mehrerer
Diözesen, desgl. ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen zu gleich-
zeitigen Bischöfen und ihrer Familien; vgl. meine Bemerkungen in der
Historischen Vierteljahrschrift 1908, 8. 181 Anm. 1. — 2) In jeder Um-
rißzeichnung , wie ich sie im Folgenden versuche, werden nicht alle
Einzelheiten des Bildes selbst genügend scharf hervortreten. Aber es
drängte mich zu solchem Wagnis, um die allgemeingeschichtlichen
Ergebnisse der neueren Literatur in den Kreis der seit langem geläufigen
Anschauungen einzubeziehen. Es ist zu hoffen, daß A. Schulte selbst
seinen Untersuchungen eine Gesamtdarstellung folgen lassen möchte.

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