Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (1 (1911))

46

Albert Werminghoff,

weniger freiständische Stifter als adlige und gemeinständische
Stifter, weniger freiständische Klöster als adlige und gemein-
ständische Klöster1). Stets gab es weniger freiständische Stifter
für Männer als freiständische Klöster für Männer; nur die Zahl
der freiständischen Stifter für Frauen war größer als die der
freiständischen Klöster für Flauen.2) Nicht ohne Interesse ist
ihre geographische Verbreitung: das südliche, südwestliche,
westliche, nordwestliche und sächsische Gebiet war ihre Heimat,
während Südostdeutschland sich ihnen verschloß.3) Auch ihre
Beziehungen zum Reiche heischen Berücksichtigung.4) Reichs-
unmittelbar waren die beiden freiständischen Domkapitel,
fernerhin wenigstens je ein Teil der freiständischen Stifter
und Klöster; andererseits waren alle dem Reich gehörigen
Frauenstifter oder Frauenklöster, alle dem Reiche ge-
hörigen Klöster mit männlichen Insassen, aber wohl nur
ein Teil der Stifter mit männlichen Mitgliedern auch frei-
ständisch, — mit anderen Worten: die Reichsunmittelbar-
keit war nicht geradezu die Voraussetzung für die freistän-
dische Zusammensetzung der Domkapitel, Stifter und Klöster,
hingegen war ihre freiständische Zusammensetzung eine
Begleiterscheinung für einen Teil der Anstalten, die un-
mittelbar der Reichsgewalt unterstellt waren, deren Vor-
steher zu geistlichen Reichs- und Territorialfürsten sich erhoben.
*) Vgl. A. Schulte, Adel und deutsche Kirche S. 28ff. Als Bei-
spiel eines freiständischen Stifts für männliche Mitglieder sei St. Gereon
in Köln genannt, für weibliche Mitglieder Essen; als Beispiele frei-
ständischer Klöster für Männer: St. Gallen, Reichenau, Werden an
der Ruhr; für Frauenstifter und -Klöster vgl. die Bemerkungen von
H. K. Schäfer, Kanonissenstifter S. 11 ff. A. Schulte, a. a. 0. S. 2
Anm. 3. — 2) Überdies gab es in Westfalen gemischtadlige Stifter mit
regelmäßig freiadligen Vorstehern; vgl. A. Schulte, a. a. 0. 8. 54 ff. In
ihre Gruppe gehören auch die gemischtadligen Domkapitel mit regel-
mäßig freiadligen Bischöfen als den Leitern ; vgl. ebenda 8. 66 f. 72. —
3) Vgl. A. Schulte, a. a. 0. S. 173ff. — 4) Vgl. A. Schulte, a. a. O.
S. 198 ff., dort auch die Einzelbeispiele. Wenn auch die gemischtadligen
Domkapitel reichsunmittelbar waren, alle Stifter und Klöster aber, die
als reichsunmittelbar erschienen, einen edelfreien Konvent besaßen, so
zeigte sich, daß „in dem Kreise der Reichsfürsten nicht allein auf das
Blut der Äbte und Äbtissinnen Wert gelegt wurde, sondern auch auf
das ihrer Konventualen; bei den Domkapiteln war man weniger streng
als bei den Klöstern“, — Aus allem folgt, daß nicht zuletzt die lokale

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer