Full text: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte / Kanonistische Abteilung (1 (1911))

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Albert Wenninghof!',

ten. Wohlverstanden: niemals waren es die Freigeborenen
und unter ihnen wieder die Freiadligen allein, die irgend-
wann alle kirchlichen Ämter als sich ausschließlich zu
eigen hätten ansehen können. Frühzeitig genug gab es
Pfründen und Korporationen, Domkapitel also und dazu für
Männer oder Frauen Stifts- und Klosterkonvente, zu denen
aus Gewohnheit, aus Rücksicht auf den fortwirkenden Willen
der Gründer, Wohltäter und vielfach Eigentümer bzw.
Patrone, endlich auf Grund autonomer Satzung oder beson-
derer Privilegierung Mitglieder auch des niederen Adels
zugelassen wurden. Frühzeitig gab es Erzbischöfe, Bischöfe,
Pröpste, Äbte und Äbtissinnen auch aus dem niederen Adel.
Über ihnen insgesamt aber erhob sich ein engerer Kreis
geistlicher Anstalten. Domkapitel demnach und Stifter und
Klöster, die regelmäßig allein den Abkömmlingen des
edelfreien, freigeborenen, hohen Adels zugänglich waren,
in denen die Ämter der Vorsteher, der Erzbischöfe, der
Bischöfe usw. nur an freiadlige Personen übertragen
wurden.1) Die korporative Verfassung derartiger An-
stalten war in allen wesentlichen Stücken die der übrigen
Anstalten. Nur die Abstammung ihrer Mitglieder schied
sie von der aller übrigen, und vor ihrer Besonderheit
machte selbst die Kirche halt, die an sich berufen ge-
wesen wäre, in ihrem Klerus und dessen Genossen-
schaften keine anderen Unterschiede walten zu lassen als
solche, die aus der Tätigkeit des einzelnen Klerikers und
der Zweckbestimmung der einzelnen Anstalt sich ergaben.
In ihr Dasein hinein wirkten die Anschauungen, Lebensver-
J) Das Verdienst A. Schultes und der ihm folgenden Gelehrten
besteht gerade in der Sonderung der freiständischen Anstalten von den
gemischtadligen. Das Vorhandensein adliger Anstalten war längst be-
kannt — vgl. die angeführten Arbeiten von J. G. Gramer, 0. Lorenz
und J. M. Seuffert, dazu noch P. Hinschius, Kirchenrecht II (Berlin
1878), 8. 67 f. Ph. Schneider, Die bischöflichen Domkapitel (Mainz
1885), 8. 128 ff. —, sodaß im folgenden nicht auch auf sie einzugehen
ist. Bemerkt sei freilich, daß von allen freiständischen Anstalten die
Domkapitel besser bekannt sind als die Stifter und Klöster. Soweit
nicht für freiständische Stifter und Klöster Spezialarbeiten vorliegen,
wurde eine Heranziehung der weitzerstreuten Literatur vermieden, um
nicht die Übersicht zu zerstören.

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