Full text: Volume (1 (1911))

Stand. Probleme in der Gesch. der deutschen Kirche usw. 39
Nur wenig deutlicher erscheint die Zusammensetzung
des Klerus aus den verschiedenen Ständen des Volkes über-
haupt. Die spröde, um nicht zu sagen schweigsame Über-
lieferung wirkt hier ein und ebenso die geschichtliche Entwick-
lung des deutschen Ständewesens selbst, die gerade während
jener Jahrhunderte tiefgreifende Umbildung erfuhr.1) Neben
die Unterscheidung von Ständen nach den Rechtskreisen des
Land- und Lehnrechts trat eine solche nach Lebensart und
Beruf. Jene vermehrte die Abschließung der Stände voneinan-
der, diese schuf allmählich Bildungen, die bald auch hinsichtlich
des für ihre Mitglieder gültigen Rechts eine Sonderstellung ein-
nehmen sollten. Nach Landrecht erhob sich der hohe Adel der
Reichsfürsten, Fürsten, Grafen und freien Herren als ein höch-
ster Stand über den der Gemeinfreien. Nach Lehnrecht erhielten
die Pfaffenfürsten die zweite Heerschildstufe zwischen der ersten
des Königs und der dritten der laikalen Reichsfürsten. Die
rittermäßige Tätigkeit erhob die unfreigeborenen Ministerialen,
landsässige Ritter also und reichsunmittelbare Reichsritter, als
niederen Adel zwischen den Freien- oder Hochadel (Fürsten,
Grafen, freie Herren) und die Gemeinfreien.3) In den Städten
katholischen Ordenswesens im Deutschen Reich; a. u. d. T.: Flugschriften
des Evangelischen Bundes n. 266. Halle 1909) zitiert ein mir unzugäng-
liches „Kirchliches Jahrbuch“ von H. A. Kr ose (Freiburg i. Br. 1908), wo-
nach im Jahre 1908 auf 22094492 Katholiken insgesamt 58452 Ordens-
personen kommen, auf je 100000 Katholiken 265 Ordenspersonen (darunter
235 Ordensfrauen). Nach einer Zeitungsnotiz aus dem Oktober 1910 ist in
der Diözese Metz jeder 183. Katholik eine Ordensperson, jede 47. er-
wachsene Katholikin Ordensschwester. Nach W. Kothe, a. a. 0. 8. 123
kamen in Straßburg während des 14. Jahrhunderts auf 55 Männer ein
Geistlicher (Welt-, Stifts- oder Klostergeistlicher), auf 35 Frauen eine
Nonne (Stiftsfrau oder Nonne) oder Beghine.
B Vgl. zum Folgenden u. a. G. von Below: Handwörterbuch der
Staatswissenschaften hrsg. von J. Conrad 13 (Jena 1909), 8. 41 ff. III1
(1909), 8. 324ff. VI3 (1910), 8. 710ff. H. Brunner, Grundzüge der
deutschen Rechtsgeschichte4 (Leipzig 1910), 8. 92ff. R. Schröder,
Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte5 (Leipzig 1907), 8. 444 ff.
G. Seeliger, Ständische Bildungen im deutschen Volk. Leipzig 1905.
Auf die von A. Schulte, Adel und deutsche Kirche 8. 11 ff. 305ff. be-
rührten Kontroversen über die Ministerialität vermeide ich einzugehen;
s. jetzt auch F. Keutgen: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschafts-
geschichte 1910, 8. 1 ff. 169ff. 481 ff. — 3) Vgl. auch R. Fellner, Die
fränkische Ritterschaft von 1495—1524 (Berlin 1905), 8. 32ff. 46 ff.

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