Full text: Volume (1 (1911))

Literatur.

4M

Nominations- und Präsentationsrechte, oder aber auch das ius dominii
eminentis zur Anwendung kommen sollte, so in erster Linie bei Ver-
fügungen über kirchliches Vermögen. Das neue Italien hat dann das
in den meisten seiner Provinzen noch in Geltung stehende, mehr oder
weniger ausgebildete System von Kirchenhoheitsrechten im Garantie-
gesetz vom 13. Mai 1871 beseitigt, das ius placeti aber nicht völlig
aufgehoben, sondern nur beschränkt auf die beiden Fälle: Provisionen
für kirchliche Benefizien und Verfügungen über kirchliche Güter. Damit
hat das Plazet in Italien noch eine weittragende praktische Bedeutung
behalten, zumal der Papst 1877 den Bischöfen gestattet hat, das Plazet
bzw. Exequatur einzuholen (vgl. Archiv für kath. Kirchenrecht Bd. 38 S. 30).
In der bekannten, rüstig fortschreitenden Enciclopedia Giuridica
Italiana hat neuestens Galante, dem wir bereits eine umfassende Unter-
suchung über diese Frage (II Diritto di Placitazione e l’Economato dei
Benefici vacanti in Lombardia 1894) verdanken, eine eingehende Dar-
stellung der historischen Entwicklung und insbesondere des heutigen
Standes des „Plazet“ und „Exequatur“ gegeben, die als Separatabdruck
auch weiteren Kreisen zugänglich gemacht ist.
Die Darstellung gliedert sich in 5 Kapitel: nach einleitenden Be-
merkungen über Begriff, Umfang und Zweck, Terminologie und Bedeu-
tung des Plazetrechts im heutigen Italien (1. Kap. 8. 1—5) wird zu-
nächst ein Überblick über die geschichtliche Entwicklung dieses In-
stituts in den nichtitalienischen Ländern Europas (2. Kap. 8. 5—20) und
den früheren Staaten Italiens (3. Kap. S. 21—41) geboten, sodann die
noch heute außerhalb Italiens bestehenden Plazetbestimmungen kurz
angeführt (4. Kap. 8. 41—48) und endlich das geltende italienische Recht
des Exequatur und Plazet eingehend auseinander gesetzt (5. Kap.
8. 49—87). Das Schwergewicht liegt naturgemäß in den das frühere
und insbesondere das heutige italienische Recht behandelnden Teilen.
Zunächst gibt Verfasser für jeden der einzelnen Staaten einen mehr oder
weniger knapp gehaltenen Überblick über Entstehung, Entwicklung,
Einschränkung oder Beseitigung des Plazetrechts. Die ersten Spuren
auf italienischem Boden finden sich in Sizilien, wo schon die Normannen
jede Appellation nach Rom verbieten, den päpstlichen Legaten den
Zugang verwehren. Doch tritt hier ein eigentliches Plazetrecht erst
1408 auf und begegnet uns dann insbesondere nach den Reformkonzilien wie
überall auch in sämtlichen italienischen Staaten. In Neapel macht sich
schon im 15. Jahrhundert die für die Folgezeit wichtige Unterscheidung der
beiden Formen des Plazet bemerkbar, indem der staatliche Genehmi-
gungsakt bei päpstlichen Schreiben mit Exequatur, bei Besetzung von
Benefizien mit Assenso regio bezeichnet wird. In der Lombardei wird
dann 1632 für den letzteren Ausdruck die Bezeichnung Plazet üblich,
während in den übrigen Staaten, wie es scheint, überhaupt nur der Aus-
druck Plazet bekannt war. Mailand weist sodann noch eine auch für später
bedeutungsvolle Institution auf. Nachdem schon 1412 ein staatlicher
Verwalter für die erledigten Benefizien bestellt war, wurde auf Grund
eines Übereinkommens zwischen Clemens VII. und Franz II. Sforza der

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer