Full text: Volume (1 (1911))

14.46. Galante, Andrea, L'Exequatur e il Placet

428

i

Literatur.

Freising und aus dem oberbayerischen Kreisarchiv in München unge-
drucktes Material verwendet hat und daß er auf die zeitgenössische
publizistische Literatur zurückgegangen ist. Der katholische Standpunkt
des Verfassers verbirgt sich nicht, aber er tritt nicht aufdringlich
hervor und hindert den Verfasser nicht an einer unbefangenen Würdi-
gung der Periode, die er schildert. Dies zeigt am besten der Schluß-
abschnitt: was hier über die Beurteilung der Säkularisation vom
juristischen, moralischen und geschichtsphilosophischen Standpunkt aus
gesagt wird, das ist unanfechtbar, und man kann nur beistimmen, wenn
der Verfasser 8. 96 bemerkt: „Der Strom der geschichtlichen Entwick-
lung hält nicht inne vor dem Recht, das die Vergangenheit geschaffen
und anerkannt hat, das aber mit der Gegenwart und seinen tatsächlichen
Verhältnissen im Widerspruch steht und daher im gewissen Sinne als
historisches Unrecht empfunden wird. Dieser Entwicklungsprozeß
tritt zutage, wenn Zustände, rechtliche, politische und kulturelle, die
sich nicht fortbilden wollen oder können, durch außerordentliche
Ereignisse wieder ins Gleichgewicht gebracht werden“. So ist die
ganze Arbeit eine erfreuliche Erscheinung und legt den Wunsch nahe,
der Verfasser möchte noch weiterhin in derselben Weise auf dem Ge-
biet der Geschichte tätig sein.
Erlangen. K. Rieker.

Andrea Galante, Prof. Gott., L’Exequatur e il Placet
nella evoluzione storica e nel diritto vigente (Estratto della
Enciclopedia Giuridiea Italiana). Milano, Soeietä Editrice
Libraria 1910. VI, 87 S.
Mit „Plazet“ bezeichnen wir gewöhnlich das früher von fast allen
Staaten beanspruchte Recht, Akte der kirchlichen Organe, insbesondere
aber päpstliche Bullen, Breven, Schreiben usw. zur Wahrung der
staatlichen Hoheitsrechte einer Präventivzensur zu unterwerfen und
ihre Publikation bzw. Ausführung von der staatlichen Genehmigung
abhängig zu machen. Hatte das ins placeti in früheren Jahrhunderten
vor allem zur Zeit des Staatskirchentums der Aufklärungsperiode in
dem System der staatlichen Kirchenhoheitsrechte eine große Rolle
gespielt, so ist seine Bedeutung für das heutige Recht gering. Eine
Reihe von Staaten, so vor allem Preußen, haben es als veraltetes Rüst-
zeug aufgegeben, ohne dadurch schlechter zu fahren als jene Staaten,
die es nicht entbehren zu können glauben. Denn auch in diesen eignet
dem Plazet nur geringe praktische Bedeutung. — Einen weiteren
Inhalt hatte der Begriff des Plazet in einzelnen der früheren Staaten
Italiens gewonnen, indem vor allem auch jene Akte der kirchlichen
Organe dem „placet“ oder „exequatur“ unterworfen wurden, denen
gegenüber das ius exclusivae, also bei Provisionsbullen oder -schreiben
Lur Besetzung vakanter Benefizien insbesondere auf Grund staatlicher

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer