Full text: Volume (1 (1911))

14.32. Mehring, Gustav, Stift Lorch

Literatur.

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Gebhard Mehring, Stift Lorch. Quellen zur Geschichte
einer Pfarrkirche (a. u. d. T.: Württembergische Geschichts-
quellen, hrsg. von der Württembergisehen Kommission für
Landesgeschichte, 12. Band). Stuttgart, Kohlhammer 1911.
XXXIV, 243 S.
Eine wertvolle Quellensammlung, die, über das lokale Interesse
hinausgreifend, namentlich zu dem Thema „Pfarrkirche und Stift“ be-
achtenswerte Beiträge bietet! Die Einleitung gibt in ihrem ersten Teile
eingehende Untersuchungen zur Grenzbestimmung der Pfarrei Lorch;
ein in den Text gedrucktes Kärtchen (ein doppelt so großer Maßstab
wäre erwünscht gewesen!) zeigt Umfang und Bestand des Pfarrsprengels
und deutet das Seelsorgeverhältnis der einzelnen Orte zur Mutterpfarrei
an. Das Wesentlichste, was sich über Entstehung, Einrichtung und
Auflösung des Stiftes und über die Stellung der spätmittelalterlichen
Pfarrei Lorch den Quellen entnehmen läßt, hat Mehring im 2. Abschnitt
der Einleitung auf 14 Seiten geschickt zusammengefaßt.
Die Anfänge der Pfarrkirche von Lorch, die sich auf dem Boden
des römischen Kastells erhebt, bleiben in Dunkel gehüllt. Vermutlich
ist sie im 11. Jh. als stauflsche Eigen- und Grabkirche zum Kollegiat-
stift erhoben worden. Der Umfang des alten Lorcher Sprengels war
sehr bedeutend. Er schloß das heutige Oberamt Welzheim, abgesehen
von einem kleinen Stück im Norden, den östlichen Teil des Oberamts
Schorndorf und einen Grenzstreifen vom Oberamt Gmünd in sich. Aber
schon seit dem 12. Jh. war der alte Sprengel durchbrochen. Vier
Kirchen sind damals von der Mutterkirche getrennt worden und stellten
sich als selbständige Pfarrkirchen mit eigenen Filialen neben das Stift.
Außer den 4 Stiftspfründen, die diesen 4 selbständig gewordenen Kir-
chen entsprochen haben, lassen sich weitere 8 sicher nach weisen; davon
sind dem 1102 gegründeten Kloster Lorch und dem Augsburger Dom-
kapitel im J. 1297 je eine, 1327 je drei inkorporiert worden. Als
13. Chorherrenstelle nimmt M. eine Scholasterie an; in der Tat ist es
wahrscheinlich (doch keineswegs so sicher, wie 8. XXIII und 8. 5
Anm. 1 angenommen wird), daß der nur einmal, zum J. 1239 bezeugte
„scolasticus in Lorche“ Stiftsscholaster war und nicht (so nach dem
Register im 3. Bd. des Wirtemberg. UB.) dem Kloster angehörte. Der
Vorsteher des Stifts hieß Dekan, nicht Propst; daß der decanus bereits
1189 urkundlich bezeugt ist (S. 5 Nr. 4), verdient hervorgehoben zu
werden (vgl. 8. XXIII). Die Pfründenaufteilung von 1327, die die Ver-
nichtung des Stiftes besiegelte, nahm dem Stiftsdekanat jede Bedeutung.
Es ist begreiflich, daß das Kloster Lorch 1327 die Dechanei dem Augs-
burger Domkapitel überließ und sich selbst die Kustorie wählte; deren
Inhaber war Pleban in Lorch mit einigen Ehrenvorrechten und hatte
mehr Filialen und Pfarrkinder unter sich, als zu der Dechanei gehörten
und zu den beiden übrigen Pfarrpfründen, die sich an der Lorcher
Kirche neben Dechanei- und Kunstodiepfründe bis zur Reformation
erhielten und von denen wiederum die eine durch das Kloster, die

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