Full text: Volume (1 (1911))

Literatur.

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mangelhafte Vorstellungen hatte, wird richtig hervorgehoben, wenn
auch vielleicht nicht immer genügend berücksichtigt. 8. LXV teilt
Sauerland eine Taxliste für die Quittungen über Servitienzahlungen (vom
Jahre 1376) mit, S. XC ff. veröffentlicht und bespricht er eine Aufzeich-
nung und eine Urkunde über die von Urban V. dem deutschen Klerus
1363 auferlegten zwei Prokurationen; er hat übrigens nicht beachtet,
daß jene „wegen der Wichtigkeit ihres Inhalts für das ganze deutsche
Reich“ bemerkenswerte Aufzeichnung bereits 1909 in der Hist. Zeitschr.
103, 144 in kurzem Auszuge mitgeteilt worden ist.
Da die „Vorbemerkungen“ nur bestimmten Fragen nachgehen, so
ist aus einer Durcharbeitung der Urkunden selbst noch recht viel zu
gewinnen. Von dem, was ich mir vermerkt habe, will ich wenigstens
kurze Hinweise auf einige wenige Beiträge zur kirchlichen Verfassungs-
geschichte geben, namentlich solche, zu denen das recht ergänzungs-
bedürftige Sachregister nicht hinleitet. Von besonderem Interesse sind
auch in dieser Publikation die Suppliken (man muß sie sich freilich
zusammensuchen!), teils wegen ihres Inhalts, teils wegen der päpst-
lichen Entscheidung. Der Elekt von Münster (nr. 270) bittet unter
Hinweis auf die Verschuldung seines Hochstiftes und auf seine großen
Ausgaben für Wein- und Ackerbau und Bauten um die Erlaubnis, seine
Benefizien, von denen zwei dem Patronatsrechte weltlicher Herren
unterstehen, 7 Jahre lang zusammen mit dem Bistum innezuhaben; es
wird ihm (11. Mai 1364) auf 6 Jahre zugestanden. Neben der durch-
aus vorherrschenden schlichten Genehmigung der Suppliken verdienen
die bedingten Bewilligungen und namentlich die selteneren Einschrän-
kungen oder Abänderungen der Gesuche besondere Beachtung. Der
Trierer Erzbischof (nr. 115) wünscht sich das Recht zu verschaffen, im
Domstifte und in 12 Kollegiatstiften der Trierer Diözese je eine Person
mit einem Kanonikat nebst Anwartschaft auf eine Pfründe oder, wo
es solche gibt, mit einer Laienpfründe zu pro vidieren; er erhält
am 27. März 1363 nur die Erlaubnis, vier Personen ein Kanonikat nebst
Pfründenexspektanz im Trierer Domstift zu verleihen. Ein mit der
Pfarrkirche in Rheine ausgestatteter Priester der Diözese Münster, der
seit 9 Jahren als Prokurator der Audientia contradictarum tätig ist,
bittet Urban V. (Nr. 87) um ein Xantener Kanonikat; es wird ihm ver-
liehen, aber „resideas in ecclesia tua et recede de curia“. Eine genaue
Kontrolle der Suppliken wird durch Nr. 94 und 245 (8. 95 oben) bezeugt.
Auf eine überlegte Prüfung der Bittschriften unter Urban V. deutet
auch die Tatsache hin, daß wiederholt (vgl. Nr. 71, 72, 75, 441, 538)
die Bittsteller mit anderen Benefizien, insbesondere mit Kanonikaten
in anderen Stiftskirchen, als sie in ihren Suppliken angegeben haben,
providiert wurden. Manche Entscheidungen Urbans V. (vgl. Nr. 126,
145, 316) lassen eine scharfe Wendung gegen die Häufung geistlicher
Stellen erkennen, wenn auch nicht immer gleichmäßige Strenge. Der
Papst hat sogar durch seinen Erlaß vom 24. September 1364 (Nr. 317,
übrigens schon anderwärts veröffentlicht, was Sauerland hier wie
öfters nicht bemerkt) in sehr geschickter Weise eine systematische

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