Full text: Volume (1 (1911))

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Ulrich Stutz,

Was endlich die Ehrenrechte des späteren Patrons an-
langt, so beschäftigt sich Gratian mit ihnen nicht in einem
besonderen dictum. Doch ergeben die von ihm angeführten
canones, daß er sich gegen solche keineswegs ablehnend
verhält.
So fehlt außer dem Namen Patronat, den ja auch
Alexander III. dem Institut nicht beigelegt hat, der vielmehr
aus dem zeitgenössischen, insbesondere italienischen Sprach-
gebrauch des täglichen Lebens übernommen* 1) und unter den
Dekretisten zuerst von Rufin2) als technischer Ausdruck ver-
wendet worden sein dürfte, eigentlich nur die Qualifizierung
der Einrichtung als eines ins spirituali annexum, die aller-
dings für die theoretische wie für die praktische Behandlung
ausschlaggebend wurde. Auch der Dankbarkeit der Kirche
als der eigentlichen Grundlage der Befugnisse, die den Stif-
tern hinfort über die von ihnen gestifteten Kirchen noch
belassen werden sollen, wird von Gratian noch nicht aus-
drücklich gedacht. Aber daß bereits bei ihm im Gegensatz
zum Eigenkirchenrecht der Gesichtspunkt der Gründung oder
Stiftung in bemerkenswerter Weise hervortritt, sahen wir
schon oben3) und wird durch die zuletzt genannten Stellen
bestätigt, die immer wieder von den fundatores ecclesiae
institut und die ins Feld geführten altkirchlichen Belege, und über-
sehen, daß es sich um ein von Gratian im Gegensatz zum Eigen-
kirchenrecht bei Anbahnung des Patronates gemachtes Zugeständnis
handelt. Vgl. auch Stutz, Eigenkirchenvermögen a. a. 0. 8. 1200
Anm. 6, 1212 Anm. 1.
1) Die Belege dafür später bei anderer Gelegenheit. Hier will ich
bloß auf Savioli, Annali Bolognesi I 2 p. 167 Nr. 105 vom 18. September
1118 verweisen. Darnach übertragen elf Genannte und Verwandte eine
Kirche an Prior und Kanoniker von St. Viktor in Bologna: Nos omnes,
qui patroni dicimur, refutamus atque renunciamus iuri nostro, quod-
cumque habere videmur aliqua racione vel occasione de ecclesia Sancti
Iohannis in Monte cum cimiterio eius . . . Prelibati patrone hoc instru-
mentum refutacionis ut supra rogaverunt fieri. Über San Giovanni in
Monte vgl übrigens Kehr 1. c. V p. 262 und die dort angeführte Lite-
ratur. — *) Siehe z. B., was er in seiner Summe zu C. XVI q. 7 ausführt
bei Singer 8. 368. Dort ist ihm Name und Begriff des Patronats, die
Paucapalea und Rolandus noch nicht kennen, vollkommen geläufig. In
der einundzwanzigsten der Incerti auctoris quaestiones, bei Thaner,
Summa Magistri Rolandi 8. 263 f., ist übrigens außer vom patronus
auch vom patrocinatus als von seinem Rechte die Rede. — 3) 8. 20.

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