Full text: Volume (1 (1911))

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Literatur.

müßten also, wenn ich Tucek richtig verstehe, die zahlreichen Briefe
deutscher Könige und Reichsfürsten, die im RNJ. enthalten sind, ur-
sprünglich im ungeteilten Original-Register gestanden haben, das dem-
nach während der Jahre des Thronstreits, abweichend von der sonstigen
kurialen Praxis, sehr zahlreiche eingehende Schriftstücke neben der
Masse der ausgehenden umschlossen hätte; sonst wurde nur ganz selten
einmal ein überaus wichtiges eingehendes Dokument dem Register
einverleibt. Nach TuSek 8. 66 ff. soll die Ausscheidung der Briefe des
RNJ. aus dem ursprünglichen Register vorgenommen sein nach der
Kaiserkrönung Ottos IV. (4. Oktober 1209). Das damals zusammen-
gestellte RNJ. sollte bei den damals namentlich betreffs der mittel-
italischen Besitzfrage mit dem Kaiser geführten schwierigen Verhand-
lungen dem Papst und seinen Diplomaten eine geeignete und hand-
liche Grundlage schaffen für die Vertretung der kurialen Ansprüche.
Gegen diese Annahme Tuceks wende ich zunächst ganz allgemein
ein, daß, wie schon angedeutet, das von ihm vermutete ungesonderte
Originalregister mit den durch Jahre sich hinziehenden zahlreichen
Eintragungen eingegangener Dokumente wider alle sonstige Regel ge-
staltet sein müßte; und weiter: warum waren in die nach Tucek 1209
angelegte Aktensammlung, die den Verhandlungen mit Kaiser Otto
dienen sollte, Schriftstücke aufgenommen, wie die großen Fürsten-
erklärungen der staufischen Partei zugunsten des verstorbenen Königs
Philipp, Dokumente, an die gewiß weder Otto noch Innocenz gern
erinnert wurden, so z. B. der von 29 meist fürstlichen deutschen Herren
erlassene Protest gegen die Eingriffe eines Kardinallegaten in das
Wahlrecht der deutschen Fürsten (RNJ. Nr. 62)? Da ist doch, zunächst
ganz abgesehen von der Frage der Originalität der Register, die An-
nahme sehr viel ungezwungener, daß das RNJ. von vornherein als eine
gesonderte Urkundensammlung angelegt wurde. Obwohl die diplo-
matischen Fäden, die in der Hand des Papstes zusammenliefen, die
ganze Christenheit umspannten, so erkannte Innocenz III. mit seinem
Scharfblick doch sofort nach der Doppelwahl in Deutschland, daß das
negotium imperii der Angelpunkt sei, um den sich fortab seine ganze
Politik drehe; darum schied er als hervorragender Praktiker, entgegen
dem bisher in der Registratur geübten Schema, sofort alle Kund-
gebungen, die er in Sachen des Thronstreites erließ, aus der Masse
seiner sonstigen Verfügungen aus, ließ sie, um sie stets sofort zur
Hand zu haben, gesondert registrieren und konnte nun natürlich in
ebenso einfacher wie zweckmäßiger Weise in diese diplomatische
Sondersammlung auch die auf die gleiche Materie sich beziehenden
eingehenden Schriftstücke aufnehmen.
Die Möglichkeit von Tuceks Annahme nachträglicher Ausscheidung
des RNJ. ist aufgebaut auf der These, daß das RNJ. kein Original-
register sei. Gegen diesen Satz aber wendet sich nun Peitz mit
Gründen, die er aus seiner unmittelbaren Kenntnis der Register Inno-
cenz’ III. schöpft. Obwohl man natürlich seine angekündigte weitere
Untersuchung ab warten muß, ehe man endgültig urteilt, so hat doch

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