Full text: Volume (1 (1911))

Literatur.

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Leider krankt die Arbeit an einem großen Gebrechen, dessen sich
freilich der Verfasser vollständig bewußt ist, das aber geeignet ist,
gegen die Resultate der Untersuchung bedenklich zu machen. Tu<5ek
nat über das Registrum gearbeitet, ohne es gesehen zu haben, ähnlich
wie einst C. Rodenberg über die Register Honorius’ III., Gregors IX.
und Innocenz’ IV. schrieb und aus ihnen in den Non. Germ. hist, zahl-
reiche Urkunden edierte, obwohl auch er nur ein einziges Buch der
Register Innocenz’ IV. in Händen gehabt hatte.1) In gewissem Sinne
ist Tuceks Arbeit bereits heute nach dieser Richtung ergänzt und über-
holt durch eine umfangreiche Untersuchung von Wilhelm M. Peitz
8. J., Das Originalregister Gregors VII. im Vatikanischen Archiv (Reg.
Vat. 2) nebst Beiträgen zur Kenntnis der Originalregister Innocenz’ III.
und Honorius’ III. (Reg. Vat. 4—11), in den Sitzungsberichten der Wiener
Akademie der Wissenschaften, philos.-hist. Klasse, 165. Bd., 5. Abhand-
lung; Wien 1911 (354 8. mit 8 Lichtdrucktafeln).2) Peitz, der natür-
lich nur auf wenigen Seiten seines Buches über das RNJ. handelt
(168—177; 202—205; dazu Beilage III, 8. 331—343 eine Übersicht der
Adressen und Datierungen im RNJ.), stellt 8. 204 eine erneute Einzel-
untersuchung des RNJ. in nahe Aussicht, teilt aber schon hier aus
seiner Kenntnis der Handschrift selbst heraus seine Hauptresultate mit
und regt 8. 177 eine Faksimile-Wiedergabe des ganzen RNJ. an. Wenn-
gleich man also ein hoffentlich endgültig feststehendes Resultat über
die Art des RNJ. erst wird formulieren dürfen, wenn die angekündigte
Spezialuntersuchung von Peitz erschienen ist, so kann man trotzdem
heute schon dessen vorläufig mitgeteilte Ergebnisse gegen Tufceks
Arbeit abwägen.
Ein Hauptproblem der Registerforschung ist die Beantwortung
der Frage, ob die erhaltenen Handschriften Originalregister darstellen
oder nur Abschriften solcher. De| verstorbene Denifie, dem die Re-
gisterforschung viel verdankt, entschied sich dafür, daß das RNJ. wie
überhaupt die Register Innocenz’ III. nicht Originalregister seien, sondern
Abschriften derselben, und dieser These folgt auch Tucek, sie noch
weiter ausbauend. Er nimmt 8. 48ff. an, daß man zunächst in ein
Originalregister alle Schriftstücke, die registriert wurden, eintrug, daß
erst später bei der erhaltenen kalligraphischen Abschrift dieser Register
eine Scheidung vorgenommen wurde zwischen den Schriftstücken, die
nunmehr in die Jahrgänge des allgemeinen Registers aufgenommen,
und denen, die jetzt ausgesondert wurden, um als sachliche Sonder-
gruppe im RNJ. zusammengefaßt zu werden. Nach dieser Annahme
1) Vgl. Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichts-
kunde X, 509. Rodenberg edierte nach Abschriften, die Pertz im Jahre
1823 in Rom gemacht hatte. — 2) Peitz polemisiert S. 200—202 gegen eine
Miszelle, die ich 1904 in den Quellen und Forschungen aus italienischen
Archiven und Bibliotheken VI, 368—373 veröffentlichte. Ich gestehe bei
dieser Gelegenheit gern zu, daß ich mich durch seinen Widerspruch von
der Unwahrscheinlichkeit meiner a. a. O. aufgestellten Behauptungen — der
streitbare Anwalt der Originalregister nennt sie einen „Anwurf" gegen die
Honoriusbände — überzeugt habe.

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