Full text: Volume (1 (1911))

14.22. Tucek, Ernst, Untersuchungen über das Registrum super negotio Romani imperii

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Literatur.

alten germanischen Formen der Prozeßführung in die neuen Vor-
schriften des kanonischen Rechts allenthalben vollzogen, und das
Prinzip der Schriftlickkeit ist völlig durchgeführt.
Als Material für seine Beweisführung hat Ober die Urkunden der
Straßburger Diözese benutzt, die sowohl wegen ihres hohen Alters wie
ihrer großen Zahl besonders geeignet sind, die dunkelen und ver-
schlungenen Pfade der mittelalterlichen Prozeßführung zu erhellen.
Trotzdem würde man es vielleicht wünschen, daß der Verfasser auch
die Quellenbelege aus anderen Sprengeln herangezogen hätte, um
dadurch die Basis seiner Untersuchung zu erweitern. Jedoch wird
dieser Mangel wenigstens teilweise dadurch kompensiert, daß 0. die
prozessualische Literatur mit großem Fleiße und fachmännischem Ge-
schicke zu verwerten weiß.
Die Durchforschung der mittelalterlichen Prozeßakten ist natür-
lich ein weit sichereres Mittel, uns den wirklichen Gang der Prozeß-
führung in einem bestimmten Territorium zu zeigen, als das bloße
Studium der Ordines indiciorum und der Kommentare zu den Prozeß-
vorschriften des Corpus iuris canonici. Aus diesem Grunde verdient
die sorgfältige und mit guter juristischer Methode gearbeitete Dar-
stellung des jungen Straßburger Gelehrten Beachtung.
Bonn. N. Hilling.

Ernst Tucek, Untersuchungen über das ßegistrum super
negotio Romani imperii (a. u. d. T.: Quellenstudien aus dem
historischen Seminar der Universität Innsbruck, heraus-
gegeben von Wilhelm Erben, II. Heft). Innsbruck, Wagner
1910. 77 S.
Das Registrum super negotio Romani imperii — ich bediene mich
mit Tußek der Abkürzung RNJ. — ist eine Quelle von fundamentaler
Bedeutung für die Geschichte des deutschen Thronstreites zwischen
den Königen Philipp von Schwaben und Otto IV. Während sonst die
päpstlichen Register regelmäßig nur die Hauptmasse der aus der
päpstlichen Kanzlei ausgehenden Schreiben jahrgangweise buchen,
liegt hier eine durch Jahre hindurch sich ziehende, auslaufende und
auch einlaufende Dokumente umfassende Sammlung vor uns, die nach
einem sachlichen Gesichtspunkt angelegt ist: alle Schriftstücke be-
ziehen sich auf den Thronstreit. Man hat sich wiederholt mit dieser
für die deutsche Geschichte einzigartigen Quelle beschäftigt; eine zu-
sammenfassende Untersuchung fehlte bisher. TuLeks Arbeit ist also
sehr erwünscht; nach jeder Richtung sucht er seiner Aufgabe gerecht
zu werden (vgl. seine verständige Disposition: I. Beschaffenheit der
Handschrift und Art der Registrierung, II. Chronologische Anordnung
der Briefe, III. Unvollständigkeit der Handschrift, IV. Entstehungs-
weise des RNJ., V. Entstehungszeit des RNJ.).

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