Full text: Volume (1 (1911))

14.21. Ober, Leo, Die Rezeption der kanonischen Zivilprozeßformen

Literatur.

37F

des Formelwesens nicht unfruchtbar geblieben ist, zeigt Exkurs I, in
dem die Ergänzung der im Cod. Yat. des liber diurnus lädierten Formel 99
gegeben wird. Die Urkunde für Nienburg sowie Cod. Yat. f. 103, 103'
sind in Faksimile beigegeben.
In einem Anhang wird über die öffentlich-rechtliche Bedeutung
der Papsturkunde gehandelt, ein Punkt, der gewiß noch weiterer Er-
gründung bedarf und für die Fragen der Exemtion und des Schutzes
nicht ohne Belang ist. Ein dritter Exkurs widmet sich der Entstehungs-
geschichte der bei Tangl, Kanzleiordnungen 8. 229 Nr. 4 erwähnten
Formel: „Preterea quascunque possessiones et quecunque bona idem
monasterium impresenciarum iuste et canonice possidet aut in futurum
concessione pontificum, largitione regum vel principum, oblatione
fidelium seu aliis iustis modis prostante Domino poterit adipisci firma
vobis vestrisque successoribus et illibata permaneant/ In Hinsicht
auf die Bezeichnung „concessione pontificum14, deren Übersetzung
„Päpste44 oder „Bischöfe44 umstritten ist, bemerkt Lerche gegenüber
Scheffer-Boichorst: „Es ist wohl möglich, daß dem concessione ponti-
ficum ein verschiedener Sinn beizumessen ist; doch wenn vor Abschluß
der Formel pontificum = Päpste bedeutet, so wird nach dem Festwerden
der Sinn im allgemeinen derselbe sein. Hier im einzelnen nachzu-
prüfen, wird nur von Fall zu Fall von Interesse sein.44 Ich glaube,
daß eine umfassende Nachprüfung wohl angebracht ist. Sie würde
nach meinem Dafürhalten die Unhaltbarkeit der Aufstellungen von
Scheffer-Boichorst, pontifex sei in dieser Formel — Bischof1), völlig
erweisen.
Verfasser plant eine Weiterführung seiner Studie bis ins 13. Jahr-
hundert. Man dürfte derselben mit großem Interesse entgegensehen.
Berlin. Georg Schreiber.

Leo Ober, Die Rezeption der kanonischen Zivilprozeß-
formen und des Schriftlichkeitsprinzips im geistlichen
Gericht zu Straßburg. Mainz, Kirchheim & Oo. 1910.
[Separatabdruck aus „Archiv für katholisches Kirchen-
recht“ XL, Heft 4.] 62 S.
Anschließend an seine verfassungsgeschichtliche Studie „Die Ent-
stehung des bischöflichen Hofrichteramtes in Straßburg44 (Straßburger
Diözesanblatt XXVII, 1909) hat Ober in der vorliegenden Abhandlung
die Entwicklung des kirchlichen Prozeßverfahrens vom Ausgange des
12. Jahrhunderts bis zum Jahre 1281 für das Straßburger Bistum unter-
sucht. In dem zuletzt genannten Jahre hat sich die Umwandlung der

1) Für die spätere Zeit, als die Formel in das privilegium commone
übergegangen ist, will auch Scheffer-Boichorst pontifex mit Papst übersetzt
wissen. Vgl. Lerche 8. 229.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer