Full text: Volume (1 (1911))

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Literatur.

hielt als die Mönche14 und das „ist für letzere kein ehrendes Zeugnis“.
Nun, in vieler Hinsicht waren die mittelalterlichen Kollegiatstifte
durch ihre Verfassungseigentümlichkeiten zu Seelsorgszwecken viel
geeigneter als die Mönche. Es dürfte für die Kanoniker ungleich
leichter gewesen seien, seelsorgliche Exposituren zu schaffen als für
eine Abtei, die den mit dem Klosterorganismus eng verwachsenen Bene-
diktinermönch zu pastoralen Zwecken detachieren mußte. Ich erinnere
nur an die Seelsorgarbeit der Prämonstratenser. — Zu Burchards
Widerstreben gegen die Doppelklöster vgl. auch Idelfons Herwegen,
Das Pactum des hl. Fruktuosus von Braga *), und Burchards Bestim-
mung, daß zur Neugründung von Klöstern die Erlaubnis des Ordinarius
eingeholt werden soll, gemahnt an die gleiche Anordnung des Chalce-
donense 4512) und an die daran geknüpften Ausführungen von Loening3)
und Pöschl4), die beide nicht herangezogen sind. Gleichwohl legt doch
auch eine interessante und von Tomek mitgeteilte (S. 113) Stelle der
überarbeiteten vita Godehardi, „mit seinen Soldaten und Hausleuten“
habe der Abt von Fulda jenseits des Flusses Fulda, wo er das Kloster
St. Peter gebaut, gewohnt — und das sei aus Kränklichkeit, der Erholung
halber geschehen — den Gedanken an Pöschls Forschungsergebnisse nahe.
S. 76 konnte ferner zur Fra^e des päpstlichen Schutzes und der Exemtion
die Untersuchung von Hüfner5) namhaft gemacht werden, desgleichen
zum mehrfach gestreiften Verhältnis von Cluny und Macon der frei-
lich lückenhafte6) Aufsatz von Alfred Hessel7); doch wird Hessels
Aufsatz durch die Angaben von Ragut8), aber auch von Vendeuvre
ergänzt.9) — Um die hohe Wertschätzung der Eucharistie in Cluny zu
erweisen, übersetzt Tomek mit vollem Recht die interessanten und
poetisch anmutenden Angaben Udalrichs über die Zubereitung der
Hostien.10) Die damit betrauten Brüder hatten vor und während des
Aktes unter anderm liturgische Gebete zu verrichten und waren mit
Humerale und Albe bekleidet (S. 199f.). Tomek sei aber darauf hin-
gewiesen, daß dieser anscheinend spezifisch cluniazensische Brauch
bereits seine Vorgeschichte hat. So heißt es denn schon in der Vita
des Pachomius des Älteren, des Begründers des Cönobitenlebens: „Quod
3) Kirelienrechtlicbe Abhandlungen herausg. von Ulrich Stutz H. 40.
Stuttgart 1907, S. 6. 54. 59. — 2) Hefele, Conziliengeschicbte II2, 8. 508ff.
— 8) Geschichte des deutschen Kirchenrechtes. Straßburg 1878. I, S. 346 f.
— 4) Bischofsgut und mensa episcopalis. Bonn 1908 ff. I, S. 81. —
5) Das Rechtsinstitut der klösterlichen Exemtion in der abendländischen
Kirche. Mainz 1907, auch im Archiv für katholisches Kirchenrecht LXXXVI
[1906] S. 302ff. — 6) Vgl. Schreiber, Kurie und Kloster I S. 176 Anm. 3. —
7) Cluny und Macon, Zeitschr. für Kirchengeschichte XXII [1901] 8. 516 ff. —
8) Cartulaire de Saint-Vincent de Macon connu sous le nom de livre
enchaine. Macon 1864 p. XLVI. — 9) L’exemption de visite monastique;
Origine. Concile de Trente. Legislative royale. These jur. Dijon 1909
p. 110 ss. — 10) Die Frage der Hostienbeschaffung hat auch eine rechts-
geschichtliche Seite. Zum Zwecke der Besorgung von panis et vinum
werden in den Traditionsbüchern oft genug Liegenschaften und Nutzungen
an Klöster und Pfarrkirchen überwiesen, worüber der Rezensent demnächst
&n anderer Stelle sich äußern wird.

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