Full text: Volume (1 (1911))

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Ulrich Stutz,

Den Frankfurter Synodalbeschluß:
De ecclesiis, quae ab ingenuis hominibus construun-
tur, licet eas tradere, vendere, tantummodo ut ecclesia non
destruatur, sed serviuntur cotidie honores,
führt der Yerfasser des Dekrets, so viel ich weiß, nirgends
in seinem Werke an. Daß er ihn aber doch irgendwoher
und irgendwie kannte, und daß er ihn, der eben nur von
einem Kaiser und einer Reichssynode erlassen war, mit voller
Absicht unterdrückte, scheint mir das dictum post c. 30 zu
ergeben:
Si ergo ecclesiasticas facultates potestatem dispensandi
non habent (sc. laici), multo minus ipsas ecclesias
quibuslibet ad regendum conmittere vel aliis
auferre valent. § 1. Hic autem distinguendum
est, quid iuris fundatores ecclesiarum in eis habe-
ant vel quid non? Habent ius providendi et con-
sulendi et sacerdotem inveniendi; sed non habent
ius vendendi vel donandi vel utendi tamquam
propriis.
Angesichts dieser klaren und scharfen Äußerung wird man mir
kaum vorwerfen können, daß ich zu Eingang gegenwärtiger
Untersuchung zu viel gesagt habe, als ich versprach, glaub-
haft zu machen, daß Grratian das Eigenkirchenrecht nicht
nur gekannt habe, sondern im Kampfe dagegen allen Anderen
vorangegangen sei. Vielmehr dürfte durch dies dictum,
selbst ohne das, was wir vorher schon von unserem Autor
gegen die genannte Einrichtung eingewendet fanden, der
denkbar beste Beweis für obige Behauptung erbracht sein,
und man könnte nur darüber erstaunen, daß die gesamte bis-
herige Forschung achtlos auch an dieser Äußerung des Vaters
der Kirchenrechtswisssenschaft vorübergegangen ist*), wenn
*) Nur Thomas, der überhaupt gelegentlich die Kanonistik heran-
gezogen hat, aber von Orati an gewöhnlich auch bloß die Belege an-
führt, hat allerdings p. 150 n. 3, 153 n. 1 dies dictum ausnahmsweise
beachtet. Allein da er weder das Eigenkirchenrecht des 12. Jahrhun-
derts hinreichend kannte, noch überhaupt bei seinen Darlegungen
historisch verfahren ist, vielmehr sein Material zu einer mehr systema-
tischen Darstellung verarbeitet hat, ist ihm die Tragweite von Gra-
tians Äußerungen entgangen, und hat er nicht bemerkt, daß durch diesen

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